Freund oder Feind: Sport

Während ich heute Abend zwischen den Wiederholungen an den Geräten in meinem Fitnesscenter versonnen aus dem Fenster gesehen habe, fiel mir ein Zitat ein.

„Der Sport ist ein sehr vernünftiger Versuch des modernen Zivilisationsmenschen,
sich Strapazen künstlich zu verschaffen.“
– Peter Bamm, dt. Arzt und Schriftsteller –

Damals – also vor 6-7 Jahren – habe ich mich noch gerne bewegt. Alles in einem gesunden Maß und eher knapp unter der Grenze, die man als Sport titulieren würde. Doch dann wurde ich krank und stellte zu meinem erschrecken fest, dass die kleinen Kalorientierchen, die gelegentlich nachts meine Hosen enger nähten, eigentlich ganz dufte Gesellen sind und geradezu liebenswert in ihrer Art. Ihre garstigen kleinen Stiefbrüder jedoch, sind der wahr gewordenen Alptraum einer jeder Frau. *senkt die Stimme zu einem rauchigen Flüstern* Nehmt euch in acht vor den Cortisontierchen. Seid gewarnt und rennt um euer Leben sollten sie euch begegnen.

Innerhalb von knapp vier Monaten habe ich dank dieser garstigen Geschöpfe gute 24 kg zugenommen. Ich kaufte mir am Freitag eine Hose, die am Montag nicht mehr gepasst hat. Ein sehr seltsames und sehr frustrierendes Gefühl. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich noch daran, dass ich das Gewicht nach Absetzten der Medikamente wieder verliere. Mir klingt noch bis heute das schrille Lachen der Cortisontierchen in den Ohren. Abnehmen? Muhauahauhauaha!!

Von diesem Zeitpunkt an lag mein Credo zwischen dem oben genannten Zitat und der folgenden Tatsache: Kein Auto – keine Beine! Von einem Tag auf den anderen das Gewicht zu schultern, führte bei mir zur Kurzatmigkeit – für die ich ein Spray mit kleinen Cortisontierchen bekam. Wie paradox! Jeder Schritt fiel mir von Tag zu Tag schwerer. Mein Alltag war vorprogrammiert. Ich startete nur einen Versuch Sport zu machen und wurde mit Brechen und Schüttelfrost belohnt. Diagnose des Arztes: Völlige Erschöpfung.

Irgendwann setzte ich letztendlich die Medikamente ab, aber mein innerer Schweinehund hatte schon längst die Herrschaft übernommen. Auf die Frage ob wir einen Spaziergang machen, antwortete ich in der Regel mit einem erstaunten: „Wozu?“ Ich musste auch nicht lange überlegen, ob ich zum Einkaufen mit dem Auto fahre oder laufe. Es ist ja kaum vorstellbar die schweren Türen die 500 Meter nach Hause zu tragen. Regen? Ich bleib zuhause. Kalt? Ich bleib zuhause. Ich bin ungeschminkt. Ich bleib zuhause. Ich könnte das jetzt ewig fortführen. Und dann kam der Tag, als ich meine Liebe zum Geocaching entdeckte.

Von diesem Tag an stapfte ich fluchend durch den Wald und über Wiesen und fragte mich oft genug, warum der Owner (das ist der Mensch der den Cache dort versteckt hat) die Dose (den Cache) nicht einfach in der Stadt deponiert hat. Blöde Ökos! Das einzige was mich dazu bringen konnte mich zu bewegen, war die Belohnung am Ende des Weges in Form einer Dose.

Das ist nun schon 1,5 Jahre her und eine Tour von 10-20 Kilometern entlockt mir nur noch ein müdes Lächeln. Solange am Wegesrand genug Dosen liegen, laufe ich dir auch gerne 50 Kilometer. Was ich natürlich nicht schaffen würde, aber theooooooretisch … würde ich das tun. Regen? Pah – dafür gibt es Ponchos. Kalt? Dann ziehe ich mich halt wärmer an. Make-up? Wer soll mich den schon im Wald sehen. Und auch das könnte ich ewig fortführen.

Nun bin ich im Fitnesscenter angemeldet. Was irgendwie nicht in meinen Kopf will. Das ist wider meiner Natur und so stelle ich mir nachhaltig die Frage: SPORT – Freund oder Feind?

Waffenstillstand – trifft es heute am besten.

Eure Julusch

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