Freund oder Feind: Hundeschnauzen

Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm
gegenüber der Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen.
– Ernst R. Hauschka –

Ich liebe Zitate und Volksweisheiten jeder Art. Egal in welcher Lebenssituation man sich befinden, egal in welcher emotionalen Verfassung man ist und was einen gerade bewegt oder aufregt, es gibt wirklich für alles das passende Zitat.

Daaaaamals, also am 17. Mai 2013 bin ich über oben stehendes Zitat gestolpert. Dieses wanderte sofort auf meine Facebook Timeline und passte zu der Zeit wie die Faust aufs Auge. Während ich diese Worte gerade schreibe, denke ich schon parallel darüber nach, ob ich überhaupt bereit bin darüber zu schreiben. Jein! Einerseits bin ich ein gigantisches Stück weiter und auf der anderen Seite würde ich lügen, wenn sie sage das es bald endet. Vielleicht tut es das wirklich, vielleicht auch nicht und vielleicht dauert es auch viele Jahre an. Aber ich werde eines Tages komplett frei sein von allem was damit zusammen hängt. Das ist das einzige von dem ich überzeugt bin. Es wird definitiv so kommen, wie mit fast allem im Leben.

In diesem speziellen Fall wurde ich von einem Menschen, den ich wirklich sehr mochte einfach abserviert. Ohne ein Wort und ohne Vorwarnung war die Person für mich nicht mehr zu sprechen und hat mich mit grenzenloser Ignoranz gestraft. Ich habe dieser Person aufrichtig vertraut und bin zu Beginn in absoluter Fassungslosigkeit erstarrt. Jemanden ohne ein Wort oder Erklärung in den Regen zu stellen, ist für mich die perfideste Art der Bestrafung.

Jeder von uns findet sich früher oder später mal in einer schwierigen Situation wieder. Normalerweise haben wir alle unsere Strategie, um mit solchen unangenehmen Erfahrungen umzugehen. Die einen werden richtig wütend, wir geben uns selbst Schuld oder wir finden jemanden, der unserer Meinung nach der Schuldige ist. Wieder andere werden ganz traurig oder sie verfallen in eine Stockstarre. In ganz schlimmen Fällen versuchen sie sich abzulenken mit härteren Sachen, wie Pillen oder Alkohol.

Oft sie die Gedanken die einen verfolgen typisch für diese Situation:

  • Warum immer ich?
  • Dieses verdammte #########!
  • Ich bin eben ein Versager und nichts wert und habe es nicht anders verdient.
  • Wenn ….. morgen unter einen Bus fällt, dann hätte ich meine Ruhe.

Das sind ganz normale Gedanken. Das ist der menschliche Standard-Modus, den wir uns allen mit den Jahren angeeignet haben. Aber so richtig hilfreich sind diese Gedanken in der Situation nicht. Ich wusste zu Beginn auch nicht, wie ich mit der Situation klar kommen soll. Als es passierte, bewegte ich mich wie im Schockzustand und konnte es einfach nicht fassen und begreifen. Solch eine tiefe Enttäuschung hatte ich seit Jahrzehnten nicht mehr gespürt.

Es gibt jedoch Mittel und Wege um dem entgegen zu wirken. Hier nur ein paar kleine Beispiele, wie man sein Denken und Handeln positiv beeinflussen kann:

Das Aufrütteln
Wenn etwas schlechtes passiert, dann solltest du vielleicht aufgerüttelt werden. Ist das vielleicht aus einem bestimmten Grund passiert? Vielleicht sollte die Situation dich zum Nachdenken bewegen? Warst du auf dem falschen Weg? War das ein Zeichen, dass du etwas ändern musst? Diese Fragen lassen dich mit anderen Augen auf die Situation schauen. Fast jede schlimme Situation im Leben kann dazu genutzt werden, um einen aufzurütteln und zum Nachdenken zu bewegen.

Die Betriebsblindheit
Ich weiß nicht, ob dir eine bestimmte unangenehme Situation immer wieder und wieder passiert. Wenn ja, dann könnte es sein, dass du unbewusst etwas tust oder denkst, dass diese unangenehme Sache zumindest einlädt oder sogar mit hervorbringt. Menschen tun Dinge, die sie nicht dahin bringen, wo sie eigentlich gerne hinmöchten. Jeder kann es von außen sehen. Die Freunde und Bekannten rollen schon mit den Augen. Aber man selbst bekommt es nicht mit, weil wir mit uns selbst eben oft betriebsblind sind. Dazu kann eine unangenehme Situation hilfreich sein, denn sie macht uns auf eines aufmerksam: Vielleicht bist du in Mustern gefangen und tust Dinge, die nicht wirklich funktionieren. Dein Verhalten führt zu Ergebnisse im Leben die du nicht möchtest.

Hier einige einfache Beispiele:

  • Du willst mehr Freunde haben, bist aber unaufrichtig oder unfreundlich zu anderen.
  • Du willst mehr Gelassenheit und inneren Frieden, aber regst dich ständig über die anderen „Idioten“ da draußen auf.
  • Du beschwerst dich ständig über deinen Job, suchst dir aber keinen anderen oder versuchst dich erst einmal für einen besseren Job zu qualifizieren.

Leider kann fast jeder diese Diskrepanz zwischen unseren Wünschen und unserem Handeln sehen, nur wir selbst nicht. Aber eine unerfreuliche Erfahrung oder hässliche Situation kann uns darauf aufmerksam machen, wenn wir einigermaßen offen dafür sind. Zuerst musst du dann natürlich herausfinden, was genau an deinem Denken und Verhalten NOCH nicht funktioniert. Das ist oft ein anstrengender, aber dafür auch sehr lohnenswerter Prozess. Hier können einem wirkliche Freunde oder der Partner sehr gut helfen. Man muss nur deren Aussagen ernsthaft überdenken und nicht als reine Kritik an einem selbst auffassen.

Jede schwierige Situation kann der Startpunkt zum Umdenken sein. Frage dich ganz einfach:

  • Funktioniert meine Vorgehensweise vielleicht einfach nicht?
  • Tue ich vielleicht die falschen Dinge?
  • Müsste ich anders vorgehen?

Diese Fragen können der erste Schritt du in Richtung Wachstum sein.

Das Lernen
Es gibt diesen netten Spruch: Was mich nicht tötet, macht mich stark. Das stimmt natürlich in letzter Konsequenz nicht, aber etwas ist da schon dran. Wenn uns etwas schlimmes passiert, dann haben wir zwei Möglichkeiten zu regieren:

  • Wir können uns davon unterkriegen und uns davon auffressen lassen.
  • Oder wir sagen uns: Ja, das tut jetzt weh. Aber ich nutze das für mein Wachstum. Ich lerne daraus.

Ganz viele phantastische Menschen haben in der Vergangenheit sehr viel Schlechtes erlebten und sind daran gewachsen. Oft sind sie nicht TROTZ dem Schlimmen zu dem geworden, was sie geworden sind. Nein, sie sind genau DESWEGEN so geworden. Wenn du wieder einmal in einer schmerzhaften Krise bist, dann frage dich folgende Sätze:

  • Wie kann ich das nutzen?
  • Inwiefern macht mich diese Erfahrung stärker?
  • Was kann ich daraus lernen?

Diese Fragen lenken unseren Blick in eine gute Richtung. Weg vom schrecklichen Schmerz und in Richtung unsere Zukunft.

Die Konsequenzen oder wie ich zu sagen pflege: „Für ebbes is es imme gut!“

Wir können nicht in die Zukunft schauen und auch dann nicht, wenn wir alles sorgfältig planen. Und wir können nicht die langfristigen Folgen und Konsequenzen eines schmerzhaften Ereignisses voraus sagen.

Wenn uns also heute etwas sehr verletzendes passiert, dann mag das heute tatsächlich schmerzhaft für uns sein. Aber wir wissen trotzdem nicht, ob mittel- oder langfristig nicht noch etwas Gutes aus der Situation erwachsen wird.

  • Wenn ich nicht meinen Job verloren hätte, dann hätte ich mein Handeln nicht so massiv hinterfragt und aus meinen Fehlern lernen können und hätte nie diese Aufgabe gefunden, in der ich mich heute wirklich zu Hause fühle.
  • Wenn ich nicht diesen schlimmen Autounfall gehabt hätte, dann hätte ich nicht meine Liebe zum Radfahren entdeckt und den ersten Schritt in ein gesünderes Leben vorgenommen. In dem ich wieder gelernt habe, dass Bewegung und Sport mein Leben bereichern und mir innere Ruhe geben.

Viele negative Erfahrungen, ja sogar viele Schicksalsschläge können langfristig positive Konsequenzen für uns haben. Und sich für diese Idee zu öffnen, gerade wenn es weh tut, das kann einem im Augenblick des Schmerzes Kraft geben. Wenn man es nicht in jeder Situation anwenden kann, so wird doch der Zeitpunkt kommen, an dem man den ersten und richtigen Schritt tut. Auch ich persönlich kann es nicht immer für mich anwenden. Der Selbstmord meines Vaters, der Tod meiner Schwester, diese geballten Krebserkrankungen in meinem Umfeld – all dem kann ich bis heute nichts Positives abgewinnen.

Ich war mit den gravierenden Schicksalsschlägen in kürzester Zeit vollkommen überfordert, und es machte sich deutlich bei meiner eigenen Gesundheit bemerkbar. Mein Arzt meinte, dass ich dringend einige Baustellen in meinem Leben schließen muss. Also habe ich ernsthaft angefangen es zu tun. Baustelle für Baustelle bin ich so gut ich konnte angegangen und habe versucht diesen Raubbau an mir selber endlich zu beenden. Immer geleitet von oben beschriebenen Prozess.

Bis ich zu der oben bereits erwähnten „Baustelle“ kam. Da anscheinend nicht genug Busse im Wohnort dieser Person fahren, bat ich zu Beginn dieses Jahres um ein klärendes Gespräch. Überraschenderweise wurde meinem Wunsch auch ohne WENN und ABER statt gegeben. Hat es mir etwas gebracht? Wahrscheinlich – ich kann mich an kaum ein Wort daraus erinnern. Wir hielten weiterhin Kontakt, bis wir an einem Punkt ankamen, an dem die Person beschloss mich wieder mit seiner beliebten Ignoranz zu strafen. Ich kann über so viel Feigheit und Kaltschnäuzigkeit einfach nur noch den Kopf schütteln und mich wundern.

Warum ich das hier explizit erwähne? Wir neigen dazu den Schmerz einfach abschalten zu wollen. Das habe ich in dem Beitrag „Freund oder Feind: Selbstmord auf Raten“ (http://wp.me/p54NNQ-2P) genauer beschrieben .

Aber oftmals sollen wir NUR versuchen daran zu wachsen. Wenn du in eine schwierige Situation kommst, reflektiere deine Beweggründe GENAU und dann mache den ersten und richtigen Schritt.

Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
– Chinesisches Sprichwort –

 Eure Julusch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s