Freund oder Feind: Danke, dass ich darf

Eine Freundin, nennen wir sie mal das Hexlein, besuchte mich überraschend an einem Abend vergangene Woche. Neben vielen lustigen Geschichten und dem Austausch über die jeweiligen Lebenssituationen, kamen wir natürlich auch auf meinen neuen Blog zu sprechen.

Besonderes Augenmerk richtete sie auf den Beitrag Surface vs. Schwabe. Sehr verwundert nahm ich zur Kenntnis, dass sie das Verhalten von Mr. und Mrs. Schaukelmaus nicht als negativ empfand. Sie erklärte mir folgendes: „In der Ehe meiner Eltern, die seit über 40 Jahren besteht, war es nie anders. Obwohl meine Mutter ihr eigenes Geld verdient, bestimmt mein Vater immer noch, was sie sich kaufen darf und was nicht.“ Ich war doch ziemlich perplex, denn ich kenne die Eltern von Hexlein und ihre Mutter ist alles andere als eine unterwürfige Frau. Jedenfalls sagte Hexlein etwas, was mich mit offenen Mund und total verdattert in meiner Bewegung innehalten ließ. „Solange es nicht wie bei uns zuhause ist und sie dann mit – DANKE, DASS ICH DARF – antwortet, ist es doch noch gar nicht so schlimm.“

„DANKE, DASS ICH DARF? Quatsch! Das gibt es doch gar nicht. Danke, dass ich darf? Wirklich?“

Dieser Satz ließ mich nicht mehr los. Es war irgendwie, wie bei einem Autounfall. Man will nicht hinsehen aber tut es trotzdem. Es steht jedem frei, sein Leben so zu leben wie er oder sie es möchte. Wenn sie damit zurechtkommen, dann ist es zumindest für dieses Paar ein gangbarer Weg.

Ich würde trotzdem gerne verstehen, wieso ein selbstbewusster, intelligenter und gebildete Mensch so reagiert. Sehe ich das zu übertrieben? Interpretiere ich einfach zu viel Unterwürfigkeit in diesen Satz?

Als ich meinem Mann davon erzählte, fing er laut an zu lachen und meinte: „Da weiß die Frau noch was sich in einer Ehe gehört.“

Seit dem integriere ich diesen Satz öfters in unseren Alltag.

  • Schatz, darf ich die Wäsche waschen gehen? – Okay – Danke, dass ich darf.
  • Schatz, darf ich auf die Toilette? – Ausnahmsweise – Danke, dass ich darf.
  • Mein Engel, darf ich jetzt müde werden? – Noch nicht – Danke, dass ich noch nicht darf.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte das keineswegs ins Lächerliche ziehen. Ich versuche nur mit einer Prise Humor dem Thema zu begegnen.

Danke, dass ich für euch diesen Beitrag schreiben darf.

Eure Julusch

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