Freund oder Feind: Emotionale Dummheit – Prolog

Heute wähle ich die Überschrift einfach und ohne irgendeine Prosa. Ich würde mich persönlich als einen sehr toleranten Menschen bezeichnen. Ich bin loyal, emphatisch, meistens ziemlich offen und freundlich und stur wie eine ganze Horde Esel.

In meinem Umfeld sind die Menschen „kunterbunt“. Ich kenne sehr intelligente, aber auch sehr einfache Menschen. Große, kleine, dünne und dicke, zufriedene und unglückliche Menschen. Doch egal welche Parameter ich ihnen hier zuordne, jeder ist auf seine Art besonders.

Im Laufe der Jahre haben sich viele diese Menschen weiterentwickelt, aber nach meiner subjektiven Meinung sind einige noch genauso geblieben, wie ich sie schon in den 80ern und 90ern erlebt habe. Einige diese Menschen sind in meinem inneren Kreis geblieben und andere würde ich heute unter dem Begriff „entfernte Bekannte“ führen. Gerade in den letzten Jahren, wahrscheinlich aufgrund meiner eigenen schwierigen Situation, hatte ich nicht mehr sehr viel Geduld und Verständnis für die „emotionalen Dummheiten“ meiner Mitmenschen. Das hört sich jetzt sehr egoistisch und hart an, aber eigentlich war es in einigen Fällen mehr als überfällig endlich Abstand zu nehmen.

Alles begann mehr oder weniger zu meinem 40sten Geburtstag. Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken über die Einladungsliste gemacht und die Gäste in drei Kategorien eingeteilt:

  • Menschen die mir im Moment nahestehen und die ich an diesem Tag gerne an meiner Seite hätte
  • Menschen aus meiner Vergangenheit zu denen ich gerne wieder Kontakt hätte
  • Menschen die ich aufgrund bestimmter Parameter einladen muss

Jede einzelne Person bekam im Vorfeld eine „save the date“ Karte zugesendet. Im Nachgang erhielten sie einen personalisierten Brief als Einladung von mir per Post. Von jedem einzelnen bekam ich auf die Karte bereits Feedback, jedoch waren die Reaktionen sehr unterschiedlich.

Es ging von „ich freue mich riesig“ bis hin zu „wenn sich nichts anders ergibt, dann bin ich da“. Wenn sich nichts anderes ergibt? Echt? Aha! Ist fast selbsterklärend, dass diese Person den Brief nicht mehr erhalten hat. Ein neues Jahrzehnt begann und es war die perfekte Zeit, um mal ordentlich durchzukehren. Auch bei den Personen die kamen, habe ich im Nachgang noch gekehrt. Hat es mich traurig gemacht? Nein, ich fühlte mich im Gegenteil befreit. Gerade bei Freundschaft sollte der Fokus auf Qualität und nicht Quantität liegen.

Aber in so gut wie allen Fällen war die „emotionale Dummheit“ bei mir der Auslöser, sich zurück zu ziehen. Der Unterschied zwischen mir und den meisten meiner Mitmenschen liegt wohl in der Tatsache begründet, dass ich nicht heuchle. Klar, ich könnte so tun als ob nichts wäre und für mein Gegenüber wäre es mit Sicherheit entspannter. Aber ich muss am Ende des Tages noch in den Spiegel schauen können.

Was meine ich eigentlich mit dem Begriff „emotionale Dummheit“? Dieser Begriff hat sich mit der Zeit bei mir gefestigt. Es ist mein persönlicher Ausdruck oder eine „Überschrift“ für einige der natürlichsten menschlichen Verhaltensweisen. Und spiegelt das Gegenteil einer emotionalen Intelligenz (EQ) wieder. Ich klassifiziere in drei Kategorien:

  • Persönliche emotionale Dummheit
  • Vermeidende emotionale Dummheit
  • Gesellschaftlich geprägte emotionale Dummheit

Schauen wir aber doch erstmal was Wikipedia zu den Begriffen meint:

Emotionale Intelligenz
Emotionale Intelligenz ist ein von John D. Mayer (University of New Hampshire) und Peter Salovey (Yale University) im Jahr 1990 eingeführter Terminus. Er beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Daniel Goleman definiert den Begriff Emotionale Intelligenz in Anlehnung an Salovey und Gardner durch die folgenden Fähigkeiten:

  • Die eigenen Emotionen kennen
  • Emotionen beeinflussen
  • Emotionen in die Tat umsetzen
  • Empathie
  • Umgang mit Beziehungen

Dummheit
Im engeren Sinne ist Dummheit die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen beziehungsweise zu lernen. Dieser Mangel beruht teils auf Unkenntnis von Tatsachen, die zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, teils auf mangelhafter Intelligenz oder Schulung des Geistes bzw. auch auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit im Auffassungsvermögen beziehungsweise der Langsamkeit bei der Kombination der zur Verfügung stehenden Fakten oder Daten.

Soviel zu Tante Wikipedia und ihren Erläuterungen. Ich sehe meine Freunde nach diesem Beitrag schon mit den Augen rollen und den mahnenden Finger erheben. Wenn ich mir etwas Zeit nehme, und über die Verhaltensweisen meiner Mitmenschen nachdenke, dann ist es meistens recht einfach zu verstehen warum sie handeln, wie sie nun mal handeln. Ich habe aber keine Lust, keine Kraft und auch gar keine Muse, ihr schräges Verhalten weiterhin immer tolerieren zu müssen.

Oder ich mache es mir ganz einfach und sage: „Nach der internationalen statistische Klassifikation der Krankheiten, stecke ich irgendwo zwischen F00 – F99 fest. Ich kann nichts dafür, dass ich mich für andere nicht mehr in dem Maße verbiegen kann und will. Auch ich bin halt ein bisschen F22.“

Eure Julusch

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