Freund oder Feind: Die Zeit

Heute gibt es keine sinnfreien Ratschläge, keinen mahnenden Finger oder Plattitüden. Warum? Ganz einfach, es geht heute ausschließlich um mich. Ich meine mich zu erinnern, dass ich schon in einem anderen Beitrag erwähnt habe, dass es mir außerordentlich schwer fällt mich an meine eigenen Ratschläge zu halten. Also brauche ich mir auch keine zu erteilen.

Heute ist gestern und zwar schon morgen.

Während ich meine liebgewonnenen Fotos für die neue Kategorie zusammen suche, verharre ich bei sehr emotionalen Bildern und denke über sie nach. Die Geschichte und in diesem Fall das Internet, gibt verschiedene Quellen für eines meiner liebsten Zitate an. „Die Zeit heilt nicht alle wunden, sie rückt nur das Unheilbare aus dem Mittelpunkt.“

Und genauso ist es.

Die Zeit ist ein wirklich garstiges Ding. Sie verspricht uns viel und hält oft nicht an ihren Versprechen fest. Ich blicke auf das Bild eines Mannes, den ich unendlich und unendlich lange geliebt habe. Sympathien und Erinnerungen sind alles was geblieben ist. So viele große Gefühle einfach von der Zeit zerfetzt und entfernt.

Die Zeit ist grausam.

Ich greife zum nächsten Bild und spüre ein ziehen im Solarplexus. Schmerz, dieser Schmerz ist nicht umfassend, nicht erdrückend, nicht bedrohlich, nicht grausam und nicht schwer. Nicht mehr. Doch die Zeit nimmt ihn nicht fort von mir. Sie webte einige leichte Fäden davon auf meine Seele. Als ewige Erinnerung.

Es macht mich traurig, wenn ich sehe wie viel Liebe ich in meinem Leben verloren habe. All diese Menschen die der Mittelpunkt meines Lebens waren. Sie gingen davon und haben nicht annähernd so tiefe Spuren hinterlassen wie der Schmerz bei flüchtigen Begegnungen.

Gemein.

Es gibt Menschen, die schließen mit einem Kapitel ab und schlagen damit gleich das ganze Buch zu. Es ist mit Sicherheit gesünder für unseren „kleinen Freund Psyche“. Aber all diese Menschen, all diese Orte, all diese Gefühle haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ist es so schlimm, wenn man sich einen kleinen Teil davon erhalten möchte? Ich verlange keine Liebe auf ewig, sondern nur ein kleines und aufrichtiges Lächeln, wenn ich auf die Bilder meiner Vergangenheit blicke.

Aber die Zeit nahm alles gnadenlos mit sich.

Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis viele der heutigen „kleinen Momente für mich“ zu emotionslosen bunten Quadraten degradiert werden. Schade, wirklich schade. Und sich dessen bewusst zu sein, macht es nicht einfacher.

Eure Julusch

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