Lufthansa oder das Aufbegehren des Fußvolkes

Ich sitze gerade in der LH100 auf dem Weg nach München. Heute Abend, so die freundlichen Piloten wollen, bringen sie mich auch wieder nach Hause.

In meinem Umfeld habe ich einen Piloten der Lufthansa den ich als Freund bezeichnen würde. Wenn ich mich mit ihm unterhalte und wir über die Streiks reden, dann wirft alles ein anderes Licht auf die Situationen. Ich habe durchaus Verständnis für den einen oder anderen Streik. Jede Medaille hat immer zwei Seiten.

Seien wir doch mal ehrlich. Wenn wir in unserem Job 12 Jahre weniger arbeiten müssten, dann wären wir wirklich nicht amüsiert, wenn uns von heute auf morgen unser Arbeitgeber davon einfach 5 Jahre wegstreichen würde. Es kann ja wohl kaum einer sagen, dass es ihm egal wäre.

Ein Blick in die Zeitung

Ein Blick in die Zeitung

Ich lese gerne Tageszeitungen, vor allem die Welt und die Frankfurter Rundschau und diesen waren natürlich voll mit Berichterstattungen zum Thema Lufthansa Piloten und ihre Forderungen. Als der letzte Streik angekündigt wurde, fragte ich mich ernsthaft, ob der Layouter die drei dort stehenden Artikel bewusst auf der Seite nebeneinander gesetzt hat.

  • Welthunger – Zahl der Betroffenen ist auf 805 Millionen zurück gegangen. Nur noch 2 Milliarden Menschen leiden unter Mangelernährung.
  • Lufthansa – Die Piloten streiken mal wieder, diesmal wegen ihrem vorzeitigen Ruhestand.
  • Deutsche Bank – Du musst jetzt plötzlich ein Team-Player werden, sonst bekommst weniger oder keinen Bonus.

Natürlich habe ich zu allen diesen Punkten eine eigene Meinung. Aber auch ich bin wie viele andere Menschen, erst wenn es uns persönlich weh tut, begehren wir auf und sprechen darüber.

Aber zurück zur Lufthansa. Als Vielflieger war ich so ziemlich in jeden Streik der Lufthansa Piloten involviert. Dabei hatte ich bisher immer das Glück, dass ich immer an meinem Heimatort war und nicht in der Ferne feststeckte. Doch bei diesem Streik habe ich mich wirklich geärgert und zwar so richtig.

Montag sollte es von Frankfurt nach München gehen und am Dienstag wieder zurück. Der Termin in München war mir sehr wichtig und auch für mich in meiner aktuellen Rolle tragend. Mein Flug am Montag sollte bereits vor Beginn des Streikes in München landen, und so war ich mir relativ sicher nach München zu kommen, aber nicht mehr zurück. Dafür hätte sich vor Ort aber noch eine Lösung gefunden. München liegt ja nun nicht wirklich am Äquator.

Es kam wie es kommen sollte, in der Nacht bekam ich eine SMS von der Lufthansa, in der sie mich darüber informierten, dass sie sowohl meinen Hinflug, wie auch meinen Rückflug annulliert haben. Ich war so gar nicht amüsiert über die Entwicklung. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir das ich weder per Deutsche Bahn, noch mit dem Auto pünktlich in München ankommen würde. Klasse!

Also denke ich über die 160.000 Menschen nach, die bei diesem Streik stehen geblieben sind. Wie viele Nachteile hat es für die Betroffenen? Reisten sie zu einem Kranken? In den Urlaub? Zu einem Vorstellungsgespräch? Zu einem wichtigen Geschäftstermin? Zu ihren Kindern? Oder blieben die allein reisenden Kinder irgendwo stehen? Wie viele Existenzen hingen genau von diesem Flug ab?

Wenn ich auf die 16 Jahre in meinem Unternehmen zurück blicke, dann hat sich sehr viel geändert. Wir sind schon lange nicht mehr die Company, die wir noch vor einigen Jahren waren. Sollten wir uns nun verbünden und kollektiv streiken, weil wir keinen Bananensaft mehr im Kühlschrank haben?

Heute schon getankt?

Heute schon getankt?

Was ist mit dem ständigen Preispoker an den Tankstellen? Sollen wir bei jeder Erhöhung zum Wochenende mit unseren PKWs die Tankstelle blockieren und so lange hupen, bis dem Tankwart nichts mehr übrig bleibt, als den Kraftstoff noch unter den horrenden Steuern die darauf liegen rauszugeben.

Oder noch besser – als die Altersrente von 65 auf 67 Jahre angehoben wurde, hätte ganz Deutschland kollektiv die Arbeit niederlegen sollen und streiken? Und zwar so lange, bis der Staat uns diese zwei Jahre wieder zurück gibt oder noch besser auf 50 Jahre senkt. Jeder in Deutschland! Nur von Fräulein Merkel bis zum letzten noch so kleinen kommunalen Politiker, hätten wir volle Arbeitsleistung erwartet.

Es tut weh sich von geliebten und lukrativen Gewohnheiten zu verabschieden. Jedem von uns. Unfair? Ja! Aber müssen wir uns alle wirklich der Allmacht von einer Handvoll Piloten beugen? Anscheinend schon.

Ich habe STREIK noch nie wirklich verstanden. Zugegeben, die Lufthansa hat gefühlt 0,0003 Promille weniger in diesem Jahr durch den Streik verdient, aber die Leidtragenden am Ende sind doch nur das schnöde Fußvolk, das nichts mit der Lufthansa zu tun hat.

Ich habe einen kreativen Vorschlag zu unterbreiten. Streikt doch bitte in der nächsten Runde mindestens so lange, bis ihr die Lufthansa in den finanziellen Ruin getrieben habt. Dann könnt ihr alle umschulen auf Lokführer. Weil, … die streiken auch gerne, und so fühlt ihr Euch dort sicher sehr schnell zuhause.

Eure Julusch

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