Freund oder Feind: Emotionale Dummheit und Kindererziehung

Es ist einfacher, starke Kinder aufzubauen, als kaputte Erwachsene zu reparieren.
Frederick Douglass (1818-1895)

Es gibt Themen über die kann ich nur den Kopf schütteln und andere Themen, über die ich mich herzlich lange aufregen kann. Und dann gibt es noch Themen, da geht mir (umgangssprachlich) das Messer in der Tasche auf. Das ist der Moment an dem ich wirklich am Verstand der Menschen zweifle.

Es ist nun mal so, dass gerade Kindererziehung ein extrem heikles Thema ist und ich keine Eltern kenne, die sich gerne belehren lassen. Das kann ich absolut nachvollziehen, weil es bei mir nicht anders ist. Daher lehne mich bei so einem Thema normalerweise nicht gerade aus dem Fenster. Durch diesen Blog habe ich nun erstmalig die Gelegenheit, meinem Unmut etwas Luft zu lassen.

Und ich werde es auch machen, wohl mehr für mich als für andere, aber ich fahre da einen recht harten Kurs. Wenn Eltern nicht in der Lage sind ihre Kinder gewaltfrei und ohne psychischen Terror und Geschrei zu erziehen, dann sollten sie verdammt nochmal auch keine Kinder bekommen. Ganz einfach!!!

Gut, ich wäre dann nicht auf der Welt und auch keine meiner Geschwister und daraus resultierend auch nicht mein Kind. Das können wir jetzt ewig so weiter spinnen. Was mir jedoch nicht in den Kopf will, und da komme ich wirklich an meine persönlichen Grenzen, ist die Tatsache das viele Menschen aus ihren Erfahrungen anscheinend nicht lernen. Kann unsere Spezies wirklich so unglaublich dumm sein? Sind die meisten von uns wirklich so emotionale Krüppel, dass sie noch nicht einmal merken was sie tun? Oder dient jede Rechtfertigung ihres Verhaltens nur als Entschuldigung für sich selbst?

Noch unbegreiflicher und verantwortungsloser finde ich dieses Verhalten vor allem, wenn es nur von einem Elternteil ausgeht. Ich gebe euch mal ein kleines Beispiel:

Bei Freundin A habe ich noch nie gehört das sie ihre Kinder anschreit oder gar die Hand gegen sie erhebt. Natürlich wird ihr Ton auch mal strenger, aber das war es schon. Bei ihrem Mann ist es leider nicht so. Wenn seine Kinder nicht das tun was er möchte, dann demonstriert er den Kindern seine „Überlegenheit“, indem er zu einem cholerischen Volldeppen mutiert. Die Lautstärke der Schreierei ist bemerkenswert. Sie findet dieses Verhalten nicht gut, aber was soll sie machen? Es sind ja auch seine Kinder und wenn sie etwas sagt, dann ist er beleidigt und die beiden haben Streit. So, und die letzten beiden Sätze muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich stelle also das Wohlergehen meiner Kinder unter meinen Mann und seine Befindlichkeiten?

Ich bin wahrscheinlich zu engstirnig, nicht kompromissbereit, selbstsüchtig und zu dumm, um es auch in meinem Leben so umzusetzen. Wenn ich zuhause mit meinem Mann Streit habe, dann geht es in 95 Prozent alle Fälle um Kindererziehung. Ob ich immer recht habe, das steht auf einem anderen Blatt, aber ich höre mir auch die Argumente meines Mannes an.

Wenn ich dann die feste Überzeugung habe, dass eine Situation oder ein Verhalten negativ für die Entwicklung meines Kindes ist, dann weiche ich nicht einen einzigen Millimeter von meiner Meinung ab. Eine Beziehung, Partnerschaft und auch Ehe besteht aus vielen kleinen Kompromissen. Aber wenn es um das Wohl der Kinder geht, dann geht das definitiv zu weit.

Ich bin wahrlich keine Übermutter und ich würde gerne vieles anders machen, aber auch ich bin in meinen Mustern und meinen Möglichkeiten gefangen. Fehler? Die mache ich sicher auch zu Hauf. Jedoch bin ich absolut davon überzeugt, dass man Kinder durchaus nur mit Verständnis, Toleranz, Liebe, klaren Regeln und Grenzen erziehen kann.

Und jetzt kommen wir zu einem sehr harten Fall von emotionaler Dummheit. Fast die größte „Dummheit“ unter den Dummheiten. Annähernd die Krönung der Schwachsinnigkeit par excellence. Der Punkt der mir so ganz und gar nicht in den Kopf will.

Kinder werden aus vielfältigen Gründen geschlagen. Weil ihre Eltern es als natürliche Erziehungsmethode ansehen oder auch aus reiner Überforderung. Wie oft höre ich den Satz: „Ich habe auch als Kind den Hintern versohlt bekommen und es hat mir nicht geschadet.“ Wirklich? Echt? Meinst du? Ich wurde auch geschlagen und es hat mir sehr wohl geschadet. Die Demütigung die damit einher geht, die Angst, der Schmerz, der Selbstwert der darunter leidet und zu guter Letzt auch die Hilflosigkeit. Denn es wird einem gerade von den Menschen, die uns die größte Sicherheit geben sollten und unsere Zuflucht im Leben sind, Gewalt angetan. Denkt nur mal eine Minute darüber nach.

Meiner persönlichen Meinung nach, gehen die „Kinder von damals“ diesen entschuldigenden Weg, damit sie ihren Eltern noch in die Augen sehen können und rechtfertigen dieses Verhalten, um den glauben an ihre Eltern nicht zu verlieren. Das kann ich nachvollziehen und verzeihen.

Aber warum um alles in der Welt lernen diese Menschen oft nicht aus ihren Erfahrungen? Sowohl meine Geschwister, als auch ich sind durch eine wirklich harte Schule gegangen. Aufgrund der Erfahrung und der Erlebnisse in meiner Kindheit, erhebe ich niemals meine Hand gegen mein Kind. Diese Vorstellung ist für mich absolut lächerlich und absurd. In den vergangenen 12 Jahren bin auch ich 3-4 mal an meine Grenzen gekommen. Ich habe meine Stimme erhoben und wurde viel zu laut. Als ich mich beruhigt hatte, ging ich zu meinem Kind und habe darüber gesprochen und mich entschuldigt.

Bei einer dieser Begebenheiten war meine Mutter zufällig anwesend. Sie war regelrecht entsetzt über mein Verhalten. Sie starrte mich mit ungläubigen großen Augen an und meinte fast stockend:

„Du kannst dich doch nicht bei deinem Kind entschuldigen?“
„Warum nicht?“
„Sie ist ein Kind!“
„Genau deswegen habe ich mich ja entschuldigt. Wie soll sie sonst lernen was richtig und falsch ist, wenn ich keine Fehler zugeben kann? In unserem Haus wird nicht geschrien oder geschlagen.“
„Willst du mir etwa sagen, dass du sie noch nie geschlagen hast?“
„Nein, natürlich nicht. Noch nicht einmal ein Klaps auf den Po.“
„Wenn sie wird wie du, wirst du das noch ändern. Du wirst sehen.“
„Glaubst du wirklich das du mir mit deinen Schlägen Gehorsam und Respekt beigebracht hast?“
„Ja, was denn sonst?“
„Mitleid – du tust mir leid.“

Meine Mutter hat das Thema nie wieder zur Sprache gebracht. Wahrscheinlich hat sie sich im stillen gefragt, was bei mir so schief gelaufen ist im Leben. Bei meinen Schwestern lief wenigstens alles in geordneten Bahnen. Sie haben ihre Kinder geschlagen – brave Mädchen. Brav und in diesem Punkt so durchzogen von emotionaler Dummheit das sie schon schreit.

Natürlich habe ich mir genau überlegt, ob ich das hier erwähne. Der Grund warum ich mich dafür entschieden habe ist ganz einfach. Jeder macht Fehler in seinem Leben und man muss auch die Größe haben zu verzeihen. Aber wenn jemand überzeugt ist, mit seinem Verhalten keine Fehler begangen zu haben. Dann steht er zu sich und seinen Handlungen. Was spricht dann dagegen, es der Welt mitzuteilen? Dann ist doch alles gut. Wo kein Ankläger, da kein Richter! Oder wie ging dieser Spruch?

Ich verabschiede mich mit den Worten von Gandhi:

Ich habe erlebt, wie Kinder die Einflüsse ihres bösen Erbes erfolgreich überwunden haben.
Denn Reinheit ist ein angeborenes Merkmal der Seele.

Eure Julusch

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