Freund oder Feind: Begehren

Vor einigen Jahren war einer meiner liebsten Sätze gewesen: „Wenn du etwas willst, dann willst du es nur. Aber wenn du etwas begehrst, wirklich begehrst, dann kannst du über dich hinauswachsen, um es zu bekommen.“ Erst gestern ist mir aufgefallen, das ich den Satz nicht mehr benutze oder präsent habe. Was sagt es über mich aus? Habe ich alles was ich will? Begehre ich nichts mehr? Bin ich meiner Illusionen beraubt? Was fesselt mich noch? Was raubt mir den Atem? Für was brenne ich?

Schriftliche Kommentare sind im meinem Blog Mangelware. Nur Ragnar hat mir bisher die Ehre erwiesen. Danke! Dennoch erreichen mich viele Kommentare über Facebook, am Telefon oder von Angesicht zu Angesicht. Ich finde das toll, aber auch schade, denn viele davon sind sehr interessant und wertvoll, auch für andere Besucher. Aber jeder soll so wie er kann und will, dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn ich 1-3 Antworten auf diese Frage bekommen würde.

Für was brennst du? Was löst in dir dieses Feuer aus? Dieses Verlangen und diese unendliche Begierde.

Bei Gesprächen in meinem Bekanntenkreis, habe ich diese Frage gestern gestellt. Die Antworten gingen von Schokolade, über den Ex-Freund zu Gießkannen. Nein, ich werde das Thema mit den Gießkannen nicht weiter kommentieren. Aber immer sah das Leuchten in ihren Augen und das kleine Lachen um ihre Mundwinkel.

Zurück zum Anfang und warum ich immer noch hier bin. Gerade Fragestellungen dieser Art bewegen durchaus etwas in mir. Begehren … will ich darüber nachdenken? Eigentlich nicht. Aber warum mache ich es dann? Weil ich darüber einen Beitrag schreiben möchte. Ach so.

Nur ein Wort, aber ich kenne den Unterschied. Begehren kommt von Begierde und darin hat das Wort „Gier“ durchaus seinen verdienten Platz. Als 20-jährige glaubte ich wirklich daran, den Unterschied zwischen wollen und begehren zu kennen. Daran glaubte ich solange, bis ich das erstmals wirklich die Gier gefühlt habe. Das dieses Gefühl so essentiell sein kann, so allumfassend, dass hätte ich niemals gedacht.

Für mich gibt es drei wirklich starke Gefühle.

  • Liebe
  • Hass
  • Gier

Diese Gefühle können uns an den Rand bringen, an den Rand, bei dem das rationale Denken aussetzt. Wir sind nicht mehr die Menschen, die wir glaubten zu sein. Rückblicken erscheinen uns unsere Handlungen vielleicht irrational und wir können sie nicht mehr nachvollziehen. Aber genau in diesem Moment, können wir nicht anders. Wer von uns hat nicht schon aus lauter Liebesdusseligkeit schwachsinnige Aktionen gestartet. Voller Wut sich zu falschen Handlungen verleiten lassen oder den Verstand an der Garderobe abgegeben, weil man um jeden Preis etwas haben MUSSTE.

Und jetzt stellt sich mir wieder die Frage: Was begehre ich?

Die traurige Antwort ist: Nichts.

Wer weiß ob das nicht die gesündere Art des Lebens ist, wenn man ausgeglichener ist und diese „Spitzen“ in den Emotionen ausbleiben. Aber es ist definitiv die langweiligere Art zu Leben. Natürlich hege und pflege ich meine Leidenschaften und das mit einer nachhaltigen Begeisterung. Aber Leidenschaft ist keine Begierde. Auch Sehnsucht und Verlangen decken sich nicht wirklich mit dem Gefühl des Begehrens.

Tja nun und any way. Ich versuche dem nun etwas Positives abzugewinnen.

Eure Julusch

8 Kommentare

    1. Hallo Leander,

      danke für Deine Erklärung. Zu einem großen Teil läuft es bei mir ähnlich ab. Bilder und Worte bauen sich durch Emotionen auf. Ich habe in den beiden letzten Tagen viel über Offenheit und Ehrlichkeit nachgedacht. Es ist wirklich ein Tanz auf dem Vulkan. Wann müssen wir die Ehrlichkeit zurückstellen, um Menschen nicht zu verletzen? Ist unser Wunsch nach Offenheit und Ehrlichkeit nicht auch auf Egoismus gegründet? Das hat mich zu einem Beitrag inspiriert, an dem ich jedoch noch schreibe. Ich bin gespannt wie du ihn finden wirst.

      Ich wünsche Dir einen tollen Abend
      Julusch

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  1. Hallo Julusch,
    interessante und gute Frage. Ja, Begehren ändert sich und ich begehre auch etwas weniger heiß als früher.
    Was ich begehre sind zwei Dinge. Und die brauche ich beide: Eine Frau, die ich wirklich Liebe. Und die Faszination von neuen Erfahrungen im Leben. Beides gleichzeitig zu kombinieren ist an sich schon schwierig. Und das zweite wird immer schwieriger, je mehr ich bereits erlebt habe Trotzdem gelingt es mir im Moment sehr gut und ich bin glücklich..
    Wenn Du mehr wissen willst: http://www.midwaybetween.wordpress.com
    LG
    Leander

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    1. Hallo Leander,

      vielen lieben dank für dein Kommentar. Ich muss zugeben, zuerst war ich schockiert über deinen Blog und zugleich dankbar nie eine deiner Ex-Freundin gewesen zu sein (zumindest nehme ich das an – aber wer weiß das schon). Ich gebe mir hier immer die größte Mühe meine Personen zu anonymisieren und du haust mit der Testosteron-Keule munter drauf los. Natürlich habe ich erst quer in der Zeit deines Lebens gelesen, bis ich zu einem Beitrag mit dem Passus kam … und wegen all dem wird dieser Blog anonym sein – unter Pseudonym und auch die Namen der Frauen werden verändert sein …

      Jetzt wird es spannend. Was mich wirklich interessieren würde sind deine Emotionen der Vergangenheit. Du gehst punktuell sehr detailliert darauf ein. Du beschreibst bei „Midway between 1970 und 1980 – Dreier mit Dreizehn“ relativ präzise deine Gedanken. Ich kann meine Gedanken und Gefühle der letzten Monate nicht immer greifen, geschweige den über Jahrzehnte. Kannst du das noch „nachfühlen“ oder ist es die reine Erinnerung an die Emotionen und Gedanken? Ich hoffe die Frage ist nicht zu persönlich.

      Lieben Gruß Julusch

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      1. Hallo Julusch,
        ich werde versuchen, weiterhin meine Gefühle möglichst genau zu schildern. Finde toll, dass Dich das interessiert. Auch mein Gedächtnis ist meist ein Sieb, aber ich habe vor einiger Zeit gehört, dass Menschen sich eher daran erinnern, wie sie sich in einem Gespräch gefühlt haben und weniger, was genau gesagt wurde.
        Bei mir kommen viele Erinnerungen beim Verfassen des Artikels. Ausgehend von einer noch präsenten Erinnerung dauert es einige Wochen, bis ich den Artikel beginne und er reift dann über einige Tage. In dieser Zeit erinnert (oder ergänzt) mein Hirn einiges. Auch das ist faszinierend!
        Ja ich war und bin kein leichter Freund. Damals, weil vieles noch verborgen und unaussprechlich war, heute weil ich offen und ehrlich bin. Ersteres führt in vielen Beziehungen zu Problemen. Jeder von uns kennt etliche davon. Zeiteres führt oft zu Flucht.

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  2. Ich habe hier ausführlich über mein starkes Begehren (nach Gott) in den letzten Jahrzehnten geschrieben und wie es sich in Nichts aufgelöst hathttp://ragnarheil.wordpress.com/2013/02/23/mein-weg-zu-gott-heft-connection-spirit-03-042013/

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    1. Hallo Ragnar,

      ich finde diesen Ansatz extrem interessant. Bisher hätte ich den Glauben nicht in Einklang bringen können mit Begierde. Ich wurde katholisch erzogen und meine Mutter ist etwas, dass ich als Extremist bezeichnen würde. Ein katholischer zwar, aber ein Extremist. Sie macht so spannende Sachen wie Totkranke aufzusuchen, um gemeinsam mit ihrem Priester diesen Menschen die letzte Absolution gegen ihren Willen zu erteilen. Sie rühmt sich noch damit, dass sie eine Seele gerettet hat. Für mich ist das psychische Vergewaltigung. Ich könnte die Liste noch endlos weiterführen. Aber es stimmt wohl … der Glaube, ein starker Glaube ist wie eine brennende Begierde. Danke für diesen tollen Denkanstoß. Ich freue mich schon darauf dein Interview zu lesen und werde berichten.

      Liebe Grüße Julusch

      Gefällt 1 Person

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