Freund oder Feind: Die Wege des Herren oder der Wert einer Freundschaft

Die Wege des Herren und vor allem die Wege von elektronischen Nachrichten im Internet sind unergründlich.

So begab es sich, dass ich gestern Nachmittag einen Beitrag veröffentlicht habe, der zu einer ungeahnten Größe wurde. Das hat mir durchaus zu denken gegeben. Ich sitze hier und denke über den Wert einer Freundschaft nach. Woran messen wir die Größe, die Kraft, das Vertrauen, die Loyalität und damit den Wert einer Freundschaft?

Diese Frage wird, zumindest bei mir, unbeantwortet bleiben.

Ich hatte keine so gute Nacht gehabt und habe am nächsten Tag darüber einen Beitrag geschrieben. Mein privates Umfeld kennt natürlich meine Lebenssituation und damit auch die bescheidene Anzahl an Menschen, die ich „eine Freundin“ nenne. Daher war ich sehr bemüht, diesen Beitrag so neutral wie möglich zu halten. Zumindest sollte ein letzter Hauch an Anonymität erhalten bleiben.

Parallel oder vorgezogen habe ich in dieser nicht so guten Nacht, eine Nachricht an diese Person geschickt. Diese war wesentlich emotionaler, als der Beitrag über die Gegebenheiten der Nacht. Es triefe schon voller Gefühle und Bekundungen.

Jetzt wird es spannend. Ich schickte diese Nachricht an den falschen Adressaten. Aber das ist jetzt nicht der Punkt auf den ich eingehen möchte. Denn jetzt kommen wir zum Knackpunkt bei dem Ganzen. Wie misst man die Wertigkeit einer Freundschaft?

Diese Nachricht um 3.30 Uhr ist schon sehr blumig und theatralisch ausgefallen. Die Antwort auf die Nachricht und den Beitrag, hat mich jedoch in meinem Glauben erschüttert.

Mir wurde doch tatsächlich mit einem „Drei-Zeiler“ in WhatsApp die Freundschaft gekündigt. Einfach so, ohne zu hinterfragen warum und weshalb und ohne ein persönliches Wort mit mir gewechselt zu haben. Sie versuchte noch nicht einmal ein Gespräch mit mir zu führen. Dann hätte ich ihr sagen können, dass es nicht um sie geht. Sie aber glaubte sich in dem Beitrag zu erkennen und reagierte. Aus die Maus – einfach so. Für mein besseres Wohlergehen.

In meinen Augen waren wir beiden schon „echt dicke befreundet“. Mein erster Impuls war natürlich sie anzurufen, aber dann stutzte ich. Ich bin so frech zu behaupten, dass ich sie ganz gut kenne. So traurig das ist, aber es würde passen, dass sie diesen Strohhalm ergreift, um sich aus unserer Freundschaft zurück zu ziehen.

Ich frage mich ernsthaft, was unsere Freundschaft ausgemacht hat, wenn man sie so einfach über Bord kippen kann. Diese Freundschaft stellte zumindest ich, auf einen höheren Sockel als sie. Wir hatten in all der Zeit nur ein einziges Mal einen Streit. Damals schickte ich eine blumige und theatralische Nachricht per Mail – auch Nachts. Was ich sonst lieber mache, aber in diesem Fall ging es nicht, denn der eigentliche Adressat kann keine Mails erhalten. Wir redeten darüber und dann war alles wieder in Ordnung.

In meinem Blog, ist sie durchaus schon unter verschiedenen Pseudonymen aufgetaucht und sie hat mir nie gesagt, dass es sie stört. Das kann es auch nicht sein. Oder doch? Auch wenn ich über die letzten Wochen nachdenke, fällt mir kein Punkt ein, der diese Trennung erklären würde. War es vielleicht eine Summe aus vielen Kleinigkeiten? Der letzte Tropfen folgte dann gestern?

Wenn dann, hätte, hätte ich eine Fahrradkette.

Spekulationen, die gar nichts bringen, außer mir dabei helfen, meine Gedanken zu sortieren. Ich könnte das unter dem Punkt „Missverständnis“ ablegen, aber dafür ist das hier etwas zu heftig. Auch wenn sie nicht wusste, dass der Text nicht für sie ist, so musste sie dennoch davon ausgehen. Sie wusste genau was sie da tat, denn wenn ich nur einen Satz aus meiner nächtlichen Nachricht zitieren soll, dann wäre es dieser.

„…du bist mir viel zu wichtig, und ich habe Angst dich zu verlieren.“

Daraufhin kündigt sie mir die Freundschaft und das auf eine Art, die in mir so viel mehr als andere zu schaffen macht. Ganz großes Kino. Sie hat den ganzen Zirkus rund um mein Kätzchen mitbekommen. Sie saß sozusagen in der ersten Reihe. Und dennoch oder vielleicht gerade deswegen kann ich nicht verstehen, warum sie sich auf sein Niveau herablässt.

Kein Gespräch, keine Fragen, keine wirklichen Erklärungen und meiner Ängste jetzt sie gleich in die Tat um. Das Ende viele Jahre in einen Drei-Zeiler gepackt. Kann das dann noch ein Missverständnis sein?

*Anfang Sarkasmus* Immerhin war ich ihr einen Drei-Zeiler wert, vielleicht sollte ich anfangen mich darüber zu freuen. Das ist immer noch erbärmlich wenig, aber mehr als ich von ihm bekommen habe. *Ende Sarkasmus*  Vielleicht kann ich wenigstens darin Trost finden, dass es für ihre persönliche Entwicklung zumindest das beste ist. Auch wenn sie es anders sieht, aber ich sah immer das Ende und sie nur den Weg.

Ist das nun Seelenstriptease? Nein, ich bin nur nicht bereit dafür eine Kiste zu packen. Ich muss erst die andere Kiste in Ruhe auspacken. Also parke ich die offene Kiste hier in meinem Blog, den Keller sollte ich am besten zu betonieren.

Ich bin zutiefst verletzt.
Ich bin zu tiefst enttäuscht.

Weihnachten kann kommen. Es wird bestimmt ein ganz tolles Fest.

Eure Julusch

9 Gedanken zu “Freund oder Feind: Die Wege des Herren oder der Wert einer Freundschaft

  1. Pingback: Freund oder Feind: Persönliche Entwicklung vs. Höllenfeuer | Julusch's Blog über die Leichtigkeit des Seins und andere gravierende menschliche Irrtümer

  2. Manchmal sollte es nicht mal eines Strohhalmes bedürfen, um sich aus einer Freundschaft zurückziehen zu dürfen, wenn es für einen selbst in diesem Moment das Richtige ist. Sind Freundschaften, die einfach nur „auf Eis“ liegen, aus diesem oder jenem Grund eine Zeit lang oder vielleicht den Rest des Lebens lang nicht aktiv gepflegt werden, deswegen weniger wert? Können sie nicht trotzdem im Herzen bestehen bleiben, in dem Wissen, dass es einfach einen Grund gibt oder auch mehrere, ob man sie nun kennt oder nicht, warum sie nicht gepflegt werden können?

    Nun, ich selbst bin schon oft nicht groß genug gewesen, so damit umzugehen. Es ist für mich eher ein Ideal, das ich zu erreichen suche – und zwar aus verschiedenen Perspektiven heraus, in denen ich mich mal als „Opfer“, mal als „Täter“ fühle und doch auch im zweiten Fall manchmal so handeln muss, auch wenn ich weiß, dass ich damit jemanden verletze oder gar vor den Kopf stoße.

    Alles Liebe :star:

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    • Hallo Ragnar,

      danke für deine Worte. Mittlerweile hat sich so einiges geklärt. Schauen wir mal … vielleicht ist das Ergebnis besser als vorher. Ich will und kann positiv nach vorne schauen.

      Lieben Gruß und einen guten Rutsch für dich und deine Lieben.

      Julusch

      Gefällt 1 Person

  3. Missverständnisse sind oft ausgezeichnete Katalysatoren.
    Freilich schmerzhaft, dann lacht man herzhaft
    Doch was zuerst so hart begonnen
    ist bunt dann bald aufs Bild geronnen
    und schafft oh wirklich es ist wahr
    am End noch Kunst ganz wunderbar

    Gefällt 2 Personen

  4. tja….. liebe Julusch….. reich mir die Flosse!

    Wenn ich das richtig verstanden habe, hast du IHR geschrieben, dass du sie nicht verlieren willst, es war aber eine ANDERE gemeint, eigentlich.
    Also könnte sie ja eifersüchtig sein! Aus Eifersucht haben schon Leute gemordet….

    Da ich ein ähnliches Problem habe gerade, kann ich momentan gar nicht richtig helfen.

    Trotzdem liebe Grüße,
    Suse

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Suse,

      danke für deine Worte. Mittlerweile hat es sich bei mir aufgeklärt. Was ein Chaos an Emotionen. Eifersucht konnte ich in dem Fall ausschließen. Aber du hast mit deiner Aussage vollkommen rechte, es ist schon unfassbar, was Menschen aus Neid und Eifersucht alles tun.

      Ich hoffe ganz dolle für dich, dass ich dir auch bei der Versöhnung die Flosse reichen kann. Vielleicht klappt es ja.

      Gruß Julusch

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