Freund oder Feind: Die Geister die man(n) rief

Heute starte ich mit einem Fragenkatalog.

Können wir wirklich unser Leben so gestalten wie wir es immer wollten? Passt alles zusammen? Wohnen wir dort, wo wir wohnen wollten?

Haben wir den Partner an unserer Seite, den wir uns erträumt haben? Lieben wir unseren Job und haben wir in der Vergangenheit genau darauf hin gearbeitet? Was ist mit unseren Freunden? Wen können wir wirklich als Freund bezeichnen? Sind es die richtigen? Kinder? Wollten wir Kinder? Haben wir Kinder und haben wir uns das Leben mit Kindern so vorgestellt?

Zu wieviel Prozent leben wir unsere Träume? Wie viele Kompromisse sind wir eingegangen und leben sie stattdessen? Wenn wir nicht geschafft haben, unsere Träume zu leben, haben wir uns dann damit abgefunden?

Oder ist es wie immer ganz einfach? Verlange wenig oder besser nichts, dann bist du dankbar für alles was du hast. Müssen wir unserem Ideal, so gut es eben geht entsprechen, und den Rest nehmen wie er kommt? Oder ist alles, was man sich erträumt für sein Leben, schon immer nur ein großer Ponyhof gewesen? Oder sind es genaue diese Fragen, die man sich im Leben nicht stellen sollte?

In den letzten Tagen habe ich viel nachgedacht. Ich war immer ein sehr radikaler Mensch. Schwarz oder weiß. Sie haben die Wahl. Grau? Das ist ausverkauft, verlegt, verstaubt und spielt keine Rolle.

Ansichten ändern sich, Menschen ändern sich, ich ändere mich.

Wenn ich in mich hineinhöre, dann ist vieles was mich ausgemacht hat, nicht mehr vorhanden. Ich begrüße diese Entwicklung und habe kein Gefühl von Verlust oder Trauer. Ich war wer ich war, und bin nun wer ich bin. Irina Rauthmann, eine deutsche Lyrikerin, sagte einmal sinngemäß:

„Ich möchte gerne das leben, was mich ausmacht, und nicht die Erfüllung einer Erwartungshaltung sein.“

Sie hat durchaus recht, aber inwieweit dürfen oder können wir es uns erlauben, keine Erwartungshaltungen mehr zu leben? All diese Fragen dort oben, werfen in mir gleich eine ganze Armada an neuen Fragen auf.

In wieweit bin ich bereit, auf meine Träume und Wünsche zu verzichten? Möchte ich nicht oder kann ich nicht, um „mehr“ kämpfen. Bin ich müde oder bequem? Welcher Kompromiss ist tragbar und welcher eine Lüge? Wie weit kann ich noch gehen, ohne eines Tages festzustellen, dass ich mein Leben lang eine Erwartungshaltung gelebt habe? Und kenne ich meine Grenzen und Wünsche überhaupt?

„Das Gute ist der Feind des besseren.“

Denkt mal über diesen Satz nach. Verbiege ich mich, um für mich selber glaubhaft zu sein? Wer macht hier eigentlich wem etwas vor? Und vor allem, ist es nicht anmaßend sich über „Nichtigkeiten“ den Kopf zu zerbrechen, wenn man in seinem Umfeld mit „wirklichen“ Prüfungen durch Krankheit und Verlust konfrontiert wird? Ist alles was hier steht, jammern auf hohem Niveau?

Über all diese Fragen kann man sich unendlich auslassen, aber heute beschäftige ich mich mit nur einer einzigen. Beziehungen. Wo endet der Kompromiss und wo beginnt die Lüge?

Mein nächster Satz stimmt mich sehr traurig, aber spiegelt meine subjektive Realität wider. Ich persönlich kenne keine einzige Ehe oder Beziehung, die ich als erstrebenswert ansehen würde. Bis vor einigen Jahren hätte ich durchaus, die eine oder andere Ehe in meinem Umkreis, als „ziemlich dicht an der Perfektion“ beschrieben. Was sicher mehr ist, als man sich im Leben je erträumen konnte. Und immer, leider bisher immer, bröckelte irgendwann die Fassade, und ich bekam Einblicke, die ich lieber nicht gesehen hätte. Es kam mir fast so vor, als würde die beste Fassade, die tiefsten Abgründe hinter sich verstecken.

Ich glaube nicht an das „perfekte Leben und die perfekte Beziehung“. Aber es liegt in der Macht jedes einzelnen, das eigene Leben so zu gestalten, dass man einen hohen Punkt an Zufriedenheit erreicht. Oftmals geht es nur mit Hilfe von außen, und selbst dann kann es ein sehr schwerer Weg werden.

Und nun wieder zurück zum corpus delicti. Wann ist eine Beziehung ein gangbarer Kompromiss und wann ist sie eine Lüge?

Für uns alle da draußen, gelten andere Parameter für eine gute Beziehung. Für den einen ist es Harmonie, für den anderen der Sex, für einen dritten vielleicht die Liebe und das Vertrauen.

Während ich an diesem Beitrag geschrieben habe, erschien in der „Welt am Sonntag“ (Ausgabe Nr. 8) einen passender Artikel zu diesem Thema.

„Es braucht mehr als Liebe. Warum Vernunft und Vertrauen für eine dauerhafte Beziehung wichtiger sind als erotische Anziehung und Leidenschaft .“

Ich zitiere hier einige Passagen aus dem Artikel von Nicola Erdmann. Nehmt euch die Zeit und lest sie euch durch:

… „Eine warmherzige Zuneigung reicht für eine glückliche Beziehung völlig aus“, sagt Paartherapeutin Ingrid Strobel. „Rauschhaftes Verliebtsein bildet nicht die Basis für eine langfristige Partnerschaft.“ Viel wichtiger seien gemeinsame Ziele, ähnliche Werte und Moralvorstellungen….

… UND VERNUNFT. Die braucht es, um sich auf eine Beziehung mit jemandem einzulassen, der kein wohliges Sehnen hervorruft. Genau dieser Perspektivwechsel von der Romanze zur Realität kann sich lohnen. …

… „Vernünftige Vorstellungen, Erwartungen und Verhaltensweisen führen zu einer guten ehelichen Lebensqualität.“ Und die ist es nämlich, die uns dauerhaft glücklich macht und erfüllt. Nicht das wahnsinnig aufregende Auf und Ab, das Gefühlskarussell aus Enttäuschungen und Höhenflügen – so spannend das sein mag. Nein, der Schlüssel zum Liebesglück heißt Vernunft –, weil, wie Arnold Retzer sagt, eine Vernunftbeziehung „realistisch, lebbar und erfolgreich ist“….

… Doch es ist die romantische Liebe, die erotische Anziehung, die medial wie gesellschaftlich gefeiert wird. Die „FAZ“ nannte den Mythos von der romantischen Liebe gar den „Leitstern unserer Zeit“, eine „Pseudoreligion“ – was nicht übertrieben ist. …

… Auch Soziologin Eva Illouz verweist auf das Problem der überhöhten Erwartungen an das Liebesleben – als Ursache für Trennungen oder gar nicht zustande kommende Beziehungen. Dabei stehen gesunde Beziehungen soziologischen Theorien zufolge auf mehreren Säulen: Erotik, gemeinschaftliche Partnerschaft und solide Freundschaft sind gleichermaßen wichtig – haben aber in der Gesellschaft nicht den gleichen Stellenwert. …

… „Wenn der Alltag kommt, braucht man dann nicht wenigstens eine Erinnerung an das magische Kribbeln vom Anfang?“ Nein. Weil es kein unsanftes Erwachen gibt, wenn „Verliebtheitshormone“ nachlassen. Weil die freundschaftliche Liebe als Beziehungsstil, so belegt es der Soziologe John Alan Lee in einer Längsschnittstudie, dauerhaft genauso glücklich macht wie altruistische und romantische Liebe. …

…Eine solche Beziehung aufzubauen – das dauert. „Man muss am Haus der Liebe bauen, das frustriert auch mal“, sagt Paarberaterin Ingrid Strobel. „Man sollte flexibel sein, Empathie aufbringen, geduldig und diszipliniert sein.“ Besonders wichtig seien der „unbedingte Wille, sich auf den Partner einzulassen, und das Bewusstsein, dass Liebe nicht vom Himmel fällt“. ……

… „Wahre Liebe ist ein Akt des Willens, nicht der Emotion. Wer sich bewusst entscheidet zu lieben, liebt wirklich.“ …

Ich fand den Artikel sehr interessant. Warum? Weil ich selber seit Jahren in eine Ehe lebe, die genau diesen Parametern entspricht. Wir führten mehrere Jahre eine solche Beziehung und nun, seit 10 Jahren, auch die entsprechende Ehe dazu. In Summe ergibt das nun etwa 14 – 15 Jahre ohne Schmetterlinge im Bauch, Engelstrompeten, den Rausch und Höhenflug. Schlimm? Nein, nicht für mich. Vor einigen Jahren, und wesentlich jünger, kamen mir doch durchaus Zweifel. Ich wusste auch nicht, wie sich eine solche Partnerschaft mit den Jahren entwickelt.

Ich glaubte früher eher an die mediale, große und romantische Liebe. Zumindest in meinem Köpfchen war in den ersten Jahren der Wunsch noch sehr präsent. Dabei ging es mir weniger um „neue Schmetterlinge“, sondern um ein Erwachen in unserer Beziehung. Ich hoffte und wünschte mir, dass wir diese Gefühle in unserer Beziehung finden könnten. Das war der Grund, warum ich mich auf diese Beziehung eingelassen habe.

Als wir dann heirateten, stand unsere Beziehung auf einer soliden Basis, so dass ich den Antrag ohne Bauchschmerzen angenommen habe. Hat sich dadurch etwas geändert? Sicher. Es fühlt sich anders an, ob der Partner neben einem der Freund oder Ehemann ist. Zumindest ging es mir so.

In den vergangenen Jahren wurde mir immer bewusster, was für mich die Parameter einer guten Beziehung sind. Und wenn du mich heute fragst, ob ich ein ganzes Lagerhaus voller Schmetterlinge gegen diese drei Punkte tauschen würde, dann würde ich dankend ablehnen.

  • Loyalität dem Partner gegenüber
  • Respekt dem Partner gegenüber
  • Eine gute körperliche Beziehung

Hört sich nicht so schwierig an, oder? Das ist alles was ich benötige. Daraus ergibt sich alles, was ein harmonisches und schönen Miteinander ausmacht. Aber da war doch noch etwas, oder? Der corpus delicti und wann wird der Kompromiss zur Lüge?

Es begab sich in den letzten Wochen, dass die Wolken in unserer Beziehung etwas tiefer hingen. Wir haben lange und ausführlich darüber gesprochen, warum es soweit gekommen ist.

Obwohl alles wieder in Ordnung ist, hat die ganze Situation einen sehr bitteren Nachgeschmack bei mir hinterlassen.

Mein Kopf fing einfach an Schleifen zu drehen und in den unpassendsten Momenten, den mahnenden Finger zu heben. Ich versuchte es zu stoppen, aber ohne Erfolg. Ich kann zwischen meinen eigenen Kompromissen und Lügen nicht mehr unterscheiden. Die menschliche Psyche ist schon ein ausgefuchstes Kerlchen. Sie suggeriert einem mal dieses und mal jenes, und am Ende des Tages weiß man nicht mehr, was die reine Wahrheit ist. Nichts als die Wahrheit, euer Ehren.

Eure Julusch

17 Gedanken zu “Freund oder Feind: Die Geister die man(n) rief

  1. Hallo Julusch,
    ich glaube, ich bin noch einen Kommentar schuldig? :-) Denn ich habe ja nach „Konkretem“ gefragt und das ist der Artikel, in dem die Antworten drin sind?
    Schwierig, der Kommentar.
    Zuerst habe ich das Lesen des Textes vor mir her geschoben, weil er recht lang und komplex war und ich hatte einige Tage keine Ruhe dazu.
    Dann wollte ich ganz viel antworten, wäre aber weder von der Länge noch vom Inhalt her im öffentlichen Kommentar angemesen gewesen.
    [1] Gerne hätte ich jetzt eine Möglichkeit gehabt, sozusagen „privat“ zu kommentieren. Im WordPress geht das nicht, E-Mail-Adresse hab ich nicht, alles in kleine Stückchen à 140 Zeichen zu packen ist schwer und ein Treffen am Fraport vorzuschlagen, hab ich mich noch nicht getraut.
    Gerade überlege ich, ob ich das „Konkrete“ aus dem Eintrag auf zwei Sätze reduziere, um auf diese zwei Sätze antworten zu können? Das wäre dann: „Du denkst gerade nach, ob alle Entscheidungen im Leben richtig waren oder ob Du einiges ändern solltest.“ und „Du führst seit 15 Jahren eine Beziehung, die glücklich ist, weil sie nicht romantisch verklärt ist, aber über dieser Beziehung zogen Wolken, und obwohl alles wieder ok ist, besteht ein bitterer Beigeschmack“.
    Punkt 1: Ist das so richtig rausexzerpiert? Und wenn ja, müsste ich nachfragen um zu antworten. Das hieße: Gehe zu [1].
    Punkt 2: Puh! Erleichterung. Ich hatte aus den vorherigen Andeutungen befürchtet, Du bist unheilbar krebskrank, schuld am Tod von einem halben Dutzend Menschen (tote Windows Nutzer nicht mitgerechnet) oder dir nahestehende Menschen sind gestorben, haben Selbstmord begangen, oder stehen kurz davor. Also zum Glück nicht so dramatisch. Oder doch? Vielleicht waren die ausgelöschten oder nicht entstandenen Leben die falschen Entscheidungen?
    Punkt 3: Liebe Damen: „Konkret“ ist was anderes. Männer sind wie Computerprogramme. Klare Aussagen (Glücklich = „Nein“), klare Anweisungen („Wenn Treffen, dann Blumen“), klare Fragen am besten mit Ja/Nein („Bei Dir oder bei mir?“), oder mit Select („Italienisch, Tailändisch oder Curry Wurst mit Pommes?“). Was ein Computer versteht, versteht auch ein Mann und vice versa.
    OK. Ich kann auch interpretieren. Und mach das auch gerne. Muss dann aber nachfragen. Mach mich auch gerne mit Über- oder Fehlinterpretationen lächerlich. Nur dann … Goto [1]

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    • Mein lieber Leander,

      ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, in Ruhe meine Zeilen zu lesen. Und danke für deine ausführliche Antwort. Jedoch hat mich genau diese Antwort von dir sehr überrascht. Ich folge deinen Gedanken rund um die Frauen jetzt schon ein Weilchen, obwohl ich leider immer noch in der „Jungspund“ Phase festhänge. Aber auch da, setzt du dich bereits sehr intensiv mit den Gedanken des weiblichen Geschlechts auseinander. Zumindest, wenn dich nicht gerade ein paar Brüste davon ablenken. ;-)

      Der Kommentar zeigt es auch sehr deutlich, dass du entweder sehr viel Glück beim raten hast, ein Gespür für oder genügend Erfahrung mit Frauen, oder ich einfach zu leicht zu deuten bin.

      Wir können meinen Beitrag auch durch dein Kommentar, mit ganz kleinen Änderungen, auswechseln. Aber wir fangen mal vorne an.

      [1] Meine E-Mail Anschrift ist nicht versteckt, also eigentlich offen in meinem Blog zugänglich, oder? Wenn nicht, dann wir mir gruselig, denn andere Blogger schreiben mich darüber an. Stalker Alarm!

      Zu Punkt 1: Nein, ich denke nicht über Veränderungen in meiner Vergangenheit nach. Bin kein Hätte-Hätte-Fahrradkette-Mensch. Der Nachsatz trifft es jedoch genau.

      Zu Punkt 2: Doch, doch, ich habe Menschen um mich herum, Menschen die mir sehr nah stehen, denen es nicht so gut geht. Ich führte es jedoch nur auf, um das „Leiden auf einem hohem Niveau“ mal zur Sprache zu bringen.

      Zu Punkt 3: Ja, wir könnten es auf den Punkt bringen, aber damit würdet ihr nicht klar kommen. Ich habe es versucht, es ging in die Grütze. Ihr Männer seit noch nicht bereit dafür. Und außerdem hast du doch alles richtig interpretiert, also habe ich anscheinend auch alles richtig niedergeschrieben.

      Trotzdem kannst du gerne jederzeit bei [1] vorbeischauen. Zu viel privates über „Dritte“ gehört nicht in einen öffentlichen Blog, daher kann ich nicht genauer werden. Das ist der Preis, wenn man nicht wie du, ganz inkognito schreibt. Daher wundert mich auch der Punkt mit dem Fraport. Ich dachte immer, dass du generell und nicht nur beim schreiben inkognito bleiben willst. Aber was verstehe ich schon Interpretationen.

      Gruß Julusch

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      • Hallo Julusch,
        Glück im Raten hatte ich noch nie und Frauen sind nie leicht zu deuten, also muss es daran liegen, dass ich so ein Frauenversteher bin. ;-)
        @[1]: Ich bin ja oft blind und finde besonders dann die Sachen nicht, wenn sie direkt vor mir auf dem Schreibtisch liegen, aber ICH FINDE KEINE EMAIL-ADRESSE! Hatte auch mal gedacht, ich habe sie mal gesehen und es dann auf das Design geschoben, das mein 7 Zoll Tablett anzeigt (Google nicht Microsoft). Habe daher gewartet und bin jetzt im Urlaub extra mal an den guten alten PC gegangen. Aber auch da finde ich keine eMail-Adresse. Meine Blindheit oder dein neues Design? Jedenfalls: ICH HAB SIE NICHT! :-|.
        zum Punkt „auf den Punkt bringen“: Wir Männer kommen damit wahrscheinlich nicht klar. Ich schon. Behaupte ich.
        zum Punkt „inkognito“: Sobald ich [1] habe, kann ich dazu was sagen.
        LG
        Leander

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      • Hallo Leander,
        meine Antwort findest du in deinem Posteingang. Nur hier noch ergänzt: Klar sieht man auf dem Android Tablet nichts. Musst dir ein Surface kaufen oder wenigstens ein Windows Tablet.
        Gruß Julusch

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  2. Liebe Julusch,

    ich habe alles aufmerksam und interessiert gelesen und bin froh, dass du deutlich wirst.

    Du wirfst allerdings so viele Fragen und Themen mit- und nebeneinander auf, dass einem [mir] der Kopf schwirren könnte. Zu jedem einzelnen Satz könnte ich anfangen etwas zu sagen, aber die Summe, nun die haut mich einfach nieder und macht mich sprachlos.

    So dass mir höchstens zu sagen bleibt: Ich glaube, ich verstehe dich und kann dem folgen, was in dir vorgeht. Aber ich glaube, wie du deine ganz persönliche Wahrheit findest, kann niemand außer dir wissen. Und manchmal ist es eine Frage des passenden Zeitpunkts. An dem die inneren Antworten kommen, nach denen man schon so lange gesucht hatte. Und währenddessen… Lebt man die Fragen, wie Rilke so schön sagte: https://tausendundeineblume.wordpress.com/2011/11/07/ueber-die-geduld-rilke/

    Ich wünsche dir Geduld, mit dir selbst und den Menschen, die mit dir leben und lieben. Der Rest sollte zu seiner Zeit so klar und deutlich werden, dass du dich nicht mehr tausendundein Ding fragen musst. Hoffe ich.

    Ganz liebe Grüße
    Marion

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    • Was ich nach ein bisschen Nachdenken unbedingt noch sagen möchte ist: Schade, dass Kommentatoren im Beitrag vorher gerne Konkretes hätten. Wenn das Konkrete dann kommt, schweigen sie :?

      Aber um nicht nur von anderen zu sprechen: Mir gings ein bisschen ähnlich, dass ich dachte, wenn man konkret wüsste, dann könnte man was dazu sagen. Aber dann stellt sich die Situation als relativ komplex dar und von außen dran kann man gar nicht viel sagen.

      Außer vielleicht noch: Durch die eigenen Gefühle UND Gedanken durchzukommen und daraus was Schlüssiges zu machen, ist oft wirklich nicht einfach, auch wenn jeder ein bisschen anders tickt. Und so trägt jeder sein eigenes Sackerl und schaut, was er draus machen kann.

      LG, Marion

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      • Liebe Marion,

        Ich wollte es gar nicht kompliziert machen. Die vielen Fragen zu Beginn waren üppig, von daher sagte ich auch explizit, dass es hier nur um Beziehungen geht. Aber das habe ich wohl nicht deutlich genug gemacht. Dem Schreiber fällt es leicht, denn er weiß ja um was es geht, und findet alles verständlich.

        Das man nicht mehr antwortet ist okay, ich komme ja auch immer um vier Ecken geschossen. Vielleicht muss man auch mal ein wenig nachdenken darüber.

        Mein nächster Beitrag ist dafür ganz entspannt. Versprochen.

        Gruß Julusch

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    • Liebe Julusch,

      das ist für mich auch beim ersten Lesen bereits deutlich geworden, dass die anfänglichen vielen Fragen zu etwas bestimmtem hinführen, was dich gerade beschäftigt und es nicht darum ging, all die Fragen zu beantworten. Trotzdem bin ich bei den Fragen innerlich angesprungen, was etwas über mich sagt.

      Dein Leben und deine Beiträge dürfen so kompliziert, schwierig oder fordernd sein, wie es eben gerade ist. Ich kann einfach aus bestimmten Gründen damit manchmal nicht souverän oder objektiv umgehen. Und war deswegen zunächst mal etwas geplättet.

      Wenn du bei Rilkes „Über die Geduld“ die Gefahr der Verschleppung siehst, bedeutet das u.U., dass du dem Leben nicht traust oder dir darin. Sondern glaubst eingreifen, steuern, kontrollieren und „machen“ zu müssen, damit es richtig kommt. Und manchmal erliege ich dieser Befürchtung auch. Obwohl ich grundsätzlich glaube, dass jeder zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ist und sich innerlich zurück lehnen und geschehen lassen könnte, was nicht gleichbedeutend ist mit passiv schleifen lassen.

      Kennst du den Begriff des „Wu wei“? Er wird definiert als Nichthandeln im Sinne von „Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns“. (http://de.wikipedia.org/wiki/Wu_wei)

      So dass die Kunst darin liegt, wann muss ich „der Natur“ ihren freien Lauf und Fluss lassen, auch wenn es mir schwer fällt und wann ist es angezeigt, dass ich handle, ohne damit den freien Fluss der Dinge zu unterbrechen oder stören. Immer weder eine Herausforderung, das eine vom anderen zu unterscheiden und darin zu vertrauen, dass alles für mich richtig kommt, auch wenn es überhaupt nicht danach aussieht oder sich nicht danach anfühlt.

      Schönen Sonntag!

      Marion

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      • Hallo Marion,

        wenn man es aus der Sicht des Wu wie sieht, dann hast du wohl recht. Leider habe ich in meinem Umfeld sehr, sehr oft die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, die mir am Herzen liegen, oft einfach nur den Kopf in den Sand stecken und mit ähnlichen Argumenten ihre Entscheidungen „verschleppen“.

        Das Leben ist ein immerwährende Fluss. Trotzdem kann mich kein Rilke und kein Wu wie dazu bewegen, zu akzeptieren, warum man bei einem schlagenden Mann bleiben sollte. Warum schaut man zu, wenn die eigenen Kinder leiden? Warum stellt man sich als Mensch in die hinterste emotionale Ecke, nur um zu gefallen? Warum dies, warum jenes? Es mag auf viele Entscheidungen zutreffen, ich lasse mich ja auch gerade treiben, aber ich lasse mein Ziel nicht aus den Augen. Es ist immer einfach sich zurück zu lehnen und auf den richtigen Moment zu warten. Das mache ich im Moment auch, aber dem sollte man Grenzen setzten.

        Ich glaube ich steigere mich gerade in etwas hinein. Es macht mich nur wütend zu sehen, wie ein Mensch der mir nahe steht, sich genau mit diesen „Erklärungen“ weiter unterdrücken lässt. Ist irgendwie ein roter Knopf bei mir.

        Sorry, wenn das jetzt ein bisschen hart rüber kommt. Ich weiß worauf du hinaus willst. Und ich gebe dir auch recht. Sich zu verrückt machen, macht viele Entscheidungen nur schwieriger. Man muss vertrauen haben, aber ich sehe wohl immer gleich zu viel des ganzen.

        Lieben Gruß Julusch

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      • Hallo Julusch,

        ich kann dich ganz gut verstehen und ich hatte Phasen, da hätte ich ziemlich ähnlich argumentiert. Jetzt muss ich sagen, da steckten noch zuviele eigene ungesehene und unneutralisierte Schmerzen in mir, weswegen ich es gern gehabt hätte, wenn dies und das im Außen sofort auf der Stelle zu ändern gewesen wäre. Davon hab ich mir wohl mehr inneren Frieden, Genugtuung oder was auch immer versprochen.

        Heute glaube ich ganz gut zu verstehen, warum eine Frau bei ihrem schlagenden Mann bleibt, warum man zuschaut wenn die eigenen Kinder leiden, warum sich Menschen in die hinterste Ecke stellen nur um zu gefallen – wie du es nennst – usw. Und weil ich glaube „dahinter“ geblickt zu haben, ist mir noch klarer geworden, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss und dafür seine eigene Zeit braucht und die jeweiligen Stationen. Würde ich z.B. die Frau dazu bringen können, ihren schlagenden Mann auf der Stelle zu verlassen, wäre das dazugehörige Problem IN IHR (z.B. ein sich wertlos fühlen) damit noch nicht erledigt, was dazu führen würde, dass der nächste Mann, dem sie sich zugetan fühlt, ähnlich tickt. Sie selbst muss einen inneren Prozess durchmachen, der es ihr eines Tages erlaubt, sich innerlich zu erheben und zu sich zu sagen: Nicht noch ein einziges Mal lasse ich dies zu. Bis hierher und nicht weiter. Bis sie an diesen Punkt kommt, mag viel Zeit vergehen. Und es ist manchmal extrem schwierig, so jemandem zuzuschauen und nichts ändern zu können. Ich denke inzwischen, ich muss da einfach nicht zu nah dran sein, weil ich es nicht aushalte. Ich muss die Person einfach ihr Leben leben lassen und meine Aufmerksamkeit, meinen Fokus auf den einzigen Ort lenken, wo ich wirklich etwas bewegen kann: Zu mir, nach innen.

        Keine Sorge, deine Worte kommen nicht hart rüber. Ich versteh die Wut, die in dir aufgestiegen ist bei diesen Themen.

        Zu viel des Ganzen zu sehen ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass man seine Aufmerksamkeit zu fest streut. Vielleicht kann man lernen, den Fokus nach innen zu zentrieren und dort mit sich zu arbeiten.

        Angenehmen Montag Abend – am Ende des Hotelflurs? :star:
        Marion

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  3. Tur mir leid Julusch, aber ich widerspreche dir einfach mal… ;-)
    Wenn ich mich durch deinen Beitrag lese……….
    Hach, hab gerade alles wieder gelöscht. Alles Verkopfte und Vernünftige.

    Ich denke, du spürst ziemlich viel, was gerade ansteht oder ist.
    Dein Verstand sagt was anderes. Wuff!!

    Und? Was FÜHLST du?Traust du deinen Gefühlen oder deinem Verstand?
    Recht hat das, was sich gut anfühlt….oder nicht?

    Wissenschaft? Pffftt.
    Psychologie? Pffttt.
    Ratio? Pffttt.

    Und du? Wo bist Du ?

    Trau ich mir? Wem trau ich sonst? Wahrheit? Wessen Wahrheit? Deiner?

    LG Iwan

    P.S. Sorry falls ich dich noch mehr verwirre. Manchmal hilft es mir, DIE Wahrheit einfach mal weg zu lassen…

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    • Ich habe das Kommentar gestern 5 x gelesen. Am Ende habe ich – glaube ich – verstanden, was du meintest. Stöckchen wohin man schaut, aber ich habe keine Streichhölzer, um mal die Flächen zu leeren.

      In Summe, unter dem Strich, hast du natürlich recht. Statt sich verrückt zu machen, sollte man den Weg einschlagen, der sich am besten anfühlt.

      Wenn beide Stöckchen Haufen jedoch eine ähnliche Dimension erreichen, und beide chaotisch und störend übereinander liegen, dann wird es schwer. Und der Hund macht Wuff!

      Ich kann beidem gerade nichts abgewinnen. Wie man es dreht und wendet, alles ist irgendwie Fufu.

      Gruß Julusch

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      • Da bin ich froh, dass du es verstanden hast. Ich gebe zu, meine Hirnwindungen waren gestern irgendwie telegrammässig drauf…. ;-)
        Das tut mir leid für Dich, dass es sich gerade so anfühlt für dich. Und da nützen leider auch keine Sprüche.
        Und manchmal fällt es einem auch einfach schwer, das Undenkbare zu denken.

        Wie auch immer. Ich wünsch Dir alles Gute, Julusch und mach Dich nicht verrückt… :-)
        LG Iwan

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