Freund oder Feind: Affirmation

Ist das nicht ein tolles Wort? Und jetzt Hand auf’s Herz. Wer von Euch wusste was es bedeutet? Warum ich das frage? Ich kannte diesen Begriff nicht, und musste selber erst bei Wikipedia nachsehen. Dort fand ich folgende Informationen dazu:

„Die Affirmation (lateinisch affirmatiō für „Versicherung, Beteuerung“) ist eine wertende Eigenschaft für prozedurale, kognitive oder logische Entitäten, die mit „Bejahung“, „Zustimmung“ oder „Zuordnung“ beschrieben werden kann.“

Wer hat das jetzt verstanden? Du? Glückwunsch, denn ich wusste immer noch nicht so genau, was es zu bedeuten hat. Natürlich habe ich mich weiter mit diesem Begriff beschäftigt, und am Ende lichtete sich der Vorhang vor meinem Geist. Wollt ihr eine Erklärung? Später.

Ich sitze am Flughafen und überfliege meine privaten Mails. In diesem Moment erreicht mich die Nachricht, dass SalvaVenia einen neuen Beitrag veröffentlicht hat. Aha. Der „Anreißer“ in der Mail war spannend, und so riskierte ich schnell einen Klick auf den Beitrag.

Und weil wir gerade so schön Wortspiele spielen, hier noch ein weiteres. Wer weiß denn was salva venia bedeutet? Und nicht schummeln und einfach nachsehen. Ich lese also diesen Beitrag und denke darüber nach, wie es damals bei mir war, als ich mich der Affirmation unterworfen habe.

[Es folgt ein kurzer Einspieler]

Affirmation … habe ich gerade vollkommen vergessen, als die nette Frau Flugbegleiterin, mich darauf aufmerksam machte, dass ich mein Surface zum Start wegpacken soll. Hä?* Ich denke ernsthaft darüber nach, eine Grundsatzdiskussion mit ihr anzufangen. Während ich sie nur ansehe und nicht reagiere, startet sie einen neuen Versuch auf Englisch. Okay, keine Diskussion.

Aber ich könnte so tun, als spreche ich weder englisch noch deutsch. Nur um zu sehen, was sie dann macht. Aber ich bin ja eine Nette, also werfe ich einen wütenden Blick auf den Herren zwei Reihen vor mir, der ein großes HP Notebook auf seinen Knien schaukelt und klappe mein Surface zu. Sie folgt meinem Blick, lächelt mich an und geht in entgegengesetzter Richtung weiter. Ich schlussfolgere daraus zwei mögliche Szenarien:

  1. Lufthansa Senatoren dürfen wohl mehr als die zweitklassigen Passagiere, zumindest was die Sicherheitsvorkehrungen angeht. Falls es einen interessiert, die ersten Reihen in der Eco werden immer für Senatoren freigehalten. Wer auch immer auf einem der Plätze sitzt, könnt ihr bei Eurem nächsten Flug getrost mit Herr Senator ansprechen.
  2. Ihr Mann hat eine Affäre mit einer Kollegin, mit Sicherheit eine platinblonde Kollegin oder wahlweise mit einer platinblonden Nachbarin. Wobei wir das Wort „Nachbarin“ natürlich durch Babysitter, die Bäckerin an der Ecke, seine Frisörin oder Bankberaterin austauschen können. Nur das platinblond bleibt sicher immer stehen. Kein Wunder das ich mein Surface wegpacken muss.

Ich warte also brav, bis ich eine holde Stimme vernehme, die folgende Durchsage macht: „Cabin crew prepare for take off.“ In dem Moment bin ich schon wieder am Tippen.

[Ende des Einspielers]

Wo waren wir? Ah ja, die Affirmation. Oder ganz platt gesagt … positives Denken, denn darum ging es auch bei SalvaVenia.

Es dauerte lange bis ich es schaffte, mich auf das positive Denken zu „konditionieren“. Und ich wähle ganz bewusst dieses Wort und kein anderes dafür. Im Alltag zu erkennen, dass man meistens selber an seinem Selbstwert-Stuhl sägt und nicht die bösen Anderen, ist nicht immer leicht. Sich in „flagranti“ dabei zu erwischen ist noch schwerer. Es ist ein Prozess den man im Hintergrund immer unter Beobachtung halten muss, denn leicht verfängt man sich wieder in alten Gewohnheiten.

Ich erinnere mich noch gut an mein „erstes Mal“. Ich stand vor einer Leinwand und wollte einen ganz bestimmten Übergang und Farbverlauf auf diese bringen. Aber egal was ich versuchte, es gelang mir einfach nicht. Die Gedanken kamen wie von selbst. Ich war wütend auf mich und fühlte mich wie ein Versager. Und ich wurde nicht müde, es mir in meinem Kopf auch zu bestätigen. Erwischt!

Dann machte ich es einfach. Ich sagte zu mir: „Julusch, das hat nichts mit Dummheit oder Versagen zu tun, du hast dich halt nie mit der Acrylmalerei beschäftigt. Acryl ist nicht Öl und regiert anders, also kann es doch so auch nicht funktionieren. Schaue doch einfach mal in ein Buch oder Frage jemanden, dann klappt es sicher auch mit den Übergängen.“

Acryl ist immer noch doof. Aber ich habe seit diesem Abend, zumindest beim Malen, immer nur positive Gedanken. Sogar mehr als das. Es wurde ein Fluchtpunkt, im positiven Sinne. Malen hat für mich etwas meditatives bekommen, bei dem ich abschalten kann und dabei noch etwas erschaffe.

Die Kraft, die unsere Gedanken haben, wird sicher von vielen Menschen massiv unterschätzt. Am Ende des Tages bestimmt mein Kopf, ob ich schlau oder dumm, hübsch oder hässlich, glücklich oder unglücklich bin. Wenn es nur so einfach wäre, wie es sich anhört.

Im Focus erschien schon vor langer Zeit ein Artikel genau zu diesem Thema, den ich Euch an das Ende dieses Beitrages stellen werde. Es lohnt sich wirklich ihn mal zu lesen. Noch vor einigen Jahren hätte ich es, ich gebe zu, mehr in die Kategorie Esoterik, Lebenshilfe, schnödes Blabla gestopft, und mich gefragt, warum man den Menschen nicht einfach eine Pille gibt und gut. Die „Ich bin okay, du bist okay-Welle“ ist doch schon voll Retro.

Doch, je mehr ich mich dabei erwischte die falschen Sachen zu denken, je mehr ich mich korrigierte, je zufriedener wurde ich. Schon klar, das positive Denken ist keine eierlegende Wollmilchsau, aber wenn man es ein wenig versucht und wirklich dran bleibt, dann erwarten einen in der Retrospektive unglaubliche Überraschungen.

Habe ich Euch eigentlich schon mal erzählt, wie toll ich bin! *grins*

Dank meines Einspielers, werde ich schon wieder zu lang, aber was gesagt werden muss, das muss nun mal gesagt werden. Daher schließe ich jetzt mit einem Ausschnitt aus SalvaVenia’s Blog und nehme bei Gelegenheit das Thema wieder auf:

Nicht das Unglück wählt die Menschen, sondern die Menschen wählen das Unglück. Sie halten fest am Gedankengang desselben und dieser Gedanke wird ergo zu ihrem Selbst. Wenn ein Mensch davon überzeugt ist, daß es abwärts mit ihm gehe, dann geht es auch abwärts mit ihm – seine eigenen Gedanken helfen ihm dabei, zu versinken.“

Und es ist wirklich so. Für alle die den Focus Artikel gerne lesen wollen, der ist hier.

Eure Julusch

* Legitimes hessisches Fragewort

5 Gedanken zu “Freund oder Feind: Affirmation

  1. „Es wurde ein Fluchtpunkt, im positiven Sinne. Malen hat für mich etwas meditatives bekommen, bei dem ich abschalten kann und dabei noch etwas erschaffe.“ – Das kann ich nachvollziehen. Mir geht es ebenso, wenn ich musiziere. Immer wenn ich Musik mache, habe ich aus dem Herzen heraus das Gefühl, etwas zutiefst Sinnvolles zu tun. Ich bin dann einfach im Hier und Jetzt – und hinterher oftmals viel klarer, ruhiger.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende! Meike

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  2. Ja, die Kraft unserer Gedanken: da kann ich einen netten Beitrag zu leisten. Per Skype habe ich meinen Enkeln eine Videobotschaft zukommen lassen, in der zeigte sich der Opa mit einer völlig verquollenen Gesichtshälfte, die von einem Bienenstich aufs Auge stammte. Was am Anfang noch ganz grausam und leidend aussah, wurde in dem Video am Ende durch die Gedanken an die Enkelkinder durch ein strahlendes liebevoll blickendes Auge völlig abgemildert.

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  3. Liebe Julusch
    ich wollte eigentlich zu deinen Kommentaren auf meinem Blog antworten (zu den Bildern) geht aber irgendwie nicht, kommt eine Fehlermeldung, nicht mal liken geht… :?:
    Ich denke schon, dass Affirmationen einen helfen können, wenn es auch „nur“ schon ist, sich dabei zu erwischen, wie man schlecht über sich selbst denkt. Eigentlich würde ich noch weiter gehen und sagen: So wie du denkst wird dein Leben. Deswegen gibt es Leute, die sehen das halbe Glas voll, die andern eher leer. Und es gibt die These, dass wir unsere Wirklichkeit alle anders erleben, gemäss unseren Gedanken, die unsere persönliche Realität erschaffen lassen. Und das sei unsere wahre Kreativität.

    Ich bin da immer noch am ausprobieren, was da so geht… :-)

    Dir einen schönen Sonntag

    LG Iwan

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    • Warst auf Geocaching-Jagd? ;-)
      Ja, mein Sonntag war bis jetzt gut, zuerst auswärts brunchen und jetzt noch rumfaulenzen…
      Das mit den verschiedenen Realitäten könnte ich mir schon vorstellen. So verschieden wie wir Menschen manchmal die Sachen begreifen…

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      • Ich habe wenigstens versucht einen Cache zu erlegen, aber leider erlag ich dem Cache. Nach zwei Stunden aufgegeben, vorerst. Morgen geht es wieder auf Achse. Es wird aber ruhiger werden in nächster Zeit. Mehr Zeit zum Cachen … ich freu mich.

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