Freund oder Feind: Offen Ehrlich Frei Heraus

„Offen Ehrlich Frei Heraus – Warum nicht gleich so?“ Das ist der Titel von Leander’s Blog, und weil Leander mich zu diesem Artikel inspiriert hat, leih ich mir den Namen ganz frech mal aus. Wie kam es dazu? Ich veröffentlichte einen Beitrag, der typisch für viele Frauen, sehr viel Raum zur Inspiration lässt. Mein lieber Leander hat mich darauf aufmerksam gemacht, und wir führten ein kleines Zwiegespräch miteinander. In einem anderen Beitrag habe ich bereits gefragt, wie viel Offenheit und Ehrlichkeit angebracht ist. Es war sehr allgemein gehalten, doch jetzt geht es um die Kommunikation zwischen Mann und Frau.

Eine Freundin von mir, erzählt mir schon seit Jahren, dass sie es extrem anstrengend und überflüssig findet, sich an irgendwelche „spielerischen“ Regeln bei der Kommunikation zu halten. Sie vertritt die These, dass man doch einfach offen und ehrlich miteinander kommunizieren soll. Wenn ich jemanden (also einen Mann, zu dem man keine oder noch keine Beziehung hat) anrufen möchte, dann soll man es einfach machen, ohne einen Grund vorzuschieben. Punkt! Diese „Spielchen“ zwischen Mann und Frau findet sie ermüdend.

Alles in allem eine nachvollziehbare These. Und ja, wenn wir einfach die Sachen, die uns bewegen auf den Punkt bringen, und offen kommunizieren, dann sollte es uns – zumindest in der Theorie – besser gehen.

Daaaamals, als es mir so schlecht ging, und ich keine Kraft mehr für nichts hatte, habe ich es ausprobiert. Auch ich war es leid, immer einen Einstieg zu suchen und die ganz normalen zwischenmenschlichen Spielchen zu spielen. Keine Kraft mehr. Ich hatte viele Gespräche geführt, wobei es bei mir nicht um Partnerschaften, sondern überwiegend um meine berufliche Zukunft ging. Ich war offen und ehrlich (fast) und habe direkt kommuniziert, was ich möchte. Soll ich Euch mal etwas verraten … der Schuss ging nach hinten los und zwar volle Kanone.

Für meine Ehrlichkeit habe ich einen sehr hohen Preis bezahlt. Es überhaupt getan zu haben, bereue ich heute wirklich sehr. Aber wenigstens kann ich mich damit trösten, es probiert zu haben.  Aber die Welt da draußen (die Männer), ist für diese Art der Kommunikation noch nicht bereit. Wie denn auch. Sie lernen von klein auf, dass eine Frau über „D“ redet, zu „B“ abschweift, einen kurzen Hüpfer zu „C“ macht und dann erwartet, dass man(n) „A“ automatisch erkennen muss. War das logisch nachvollziehbar? Oder vielleicht noch so erklärt, dass eine Frau nach dem kleinen Finger fragt, wenn sie eigentlich die ganze Hand möchte. Und das wissen die meisten Männer bzw. das machen fast alle Frauen.

Ich ging also frei darauf los und führte meine Gespräche, in denen ich direkt sagte, dass ich die Hand, und welche Hand, und welches A möchte, und wann. Offen, ehrlich und frei heraus. Mein Gegenüber versetzte ich damit in einem regelrechten Panikmodus. Kein Witz. Am Ende verstand ich auch, warum sie mir teilweise bis heute aus dem Weg gehen. Ich wollte nur eine Hand, und weil ich direkt danach fragte, glaubten sie, ich will den ganzen Arm oder noch viel mehr. Eigentlich traurig, aber wahr.

Ein kleines Beispiel aus dieser Zeit: Ich war auf Jobsuche und überlegte mir, mit wem ich sprechen könnte, um eventuell sehr früh über freie Stellen informiert zu werden. Mein nächster Besuch in München stand an, und ich fragte die entsprechenden Kollegen, ob sie mit mir zu Abend essen würden, weil ich sie gerne sehen und mit ihnen sprechen möchte. Ja, wir hätten es auch Mittags in der Kantine besprechen können, jedoch wollte ich nicht, dass zu viele Kollegen sehen, wohin ich meine Fühler ausstrecke.

Nun, irgendwie kam diese direkte Ansage zu hart bei den Empfängern an. Bis heute bin ich sicher, dass sie davon überzeugt waren, dass ich in nächster Zeit ihr Kaninchen kochen werde, wenn sie zu dem Essen erschienen wären. Nicht verstanden? Dann empfehle ich Euch diesen Klassiker aus dem Jahre 1987. Meine Absichten waren jedoch über jeden Zweifel erhaben.

Klar, wenn sich alle Frauen daran halten würden, dann könnte dieser offene Weg funktionieren. Dann müsste den brainwash nur noch jemand allen Männern erklären, aber beides wird nie passieren. Und ich probierte die offene Ansprache definitiv zum falschen Zeitpunkt aus. Denn sie brachte nur – und ich meine nur – schlechtes hervor. Privat wie beruflich. Und davon hatte ich ja bereits mehr als genug. Niemand nahm mir ab, dass ich nur das möchte was ich kommuniziere. Nicht mehr und nicht weniger.

Ja, ich frage heute wieder nach dem kleinen Finger oder wahlweise halte ich einen Monolog über das „B“. Es funktioniert um viele Längen besser. Die Botschaft, die ich am Ende vermitteln möchte, ist immer noch die gleiche, aber ich wage mich langsam an sie heran. Traurig, was! Diese Spielregeln haben durchaus ihren Sinn in dieser Gesellschaft, solange sich nicht alle zeitgleich davon abwenden. Okay, vielleicht keinen Sinn, aber sie sind gesetzt und müssen gelebt werden. Wobei ich hier ausdrücklich betonen möchte, dass diese Spielchen in einer Beziehung nicht verloren haben. Wenn man, nachdem das Spielen vorbei ist, immer noch spielt, dann stimmt etwas in der Beziehung nicht. Zumindest ist das meine Sicht darauf.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Eure Julusch

15 Gedanken zu “Freund oder Feind: Offen Ehrlich Frei Heraus

  1. Liebe Julusch,

    um ehrlich zu sein, dachte ich beim Lesen: Vielleicht trifft das, was du oben sagst, auf die Welt zu, in der du dich zu dieser Zeit bewegt hast. Zu sagen: Die Welt ist noch nicht bereit dafür, finde ich daher etwas zu stark verallgemeinert.

    Vielleicht muss man manchmal das Spielfeld wechseln, um das leben zu können, was für einen selbst innerlich in dem Moment am meisten stimmt. Wenn ich mich auf dem Feld befinde, in dem Fußball gespielt wird, ich bin aber inzwischen dazu übergegangen Basketball zu spielen, dann mag es nur eine bestimmte Sichtweise sein, zu sagen: Die Welt ist noch nich bereit für Basketball.

    Meine zwei Groschen heute Abend.

    Liebe Grüße
    Marion

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    • Hallo Marion,
      danke für deine Worte. Ich war jedoch sehr überrascht darüber. Es sei denn, ich habe wieder am Thema vorbei geschrieben. Findest du wirklich das die Kommunikation zwischen Mann und Frau (nicht in einer Beziehungen zueinander) davon abhängt, in welcher „Welt“ man unterwegs ist? Ich habe schon das Gefühl, dass in unserem Kulturkreis die Kommunikation zwischen Mann und Frau nicht auf einem identischen Level stattfindet.
      Lieben Gruß
      Julusch

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      • Liebe Julusch,

        ich hab dich insofern nicht ganz richtig verstanden, als mir beim Lesen die private und die berufliche Ebene durcheinander gingen. Teilweise hatte ich den Eindruck, du sprichst von der Kommunikation zwischen Mann und Frau (in einer Beziehung zueinander), dann aber wieder, als würdest du Beispiele aus der Kommunikation im Berufsleben ansprechen, z.B. mit männlichen Chefs. Letztlich habe ich mich scheinbar dafür entschieden, das ganze Thema und deine schlechte Erfahrung auf das Berufsleben zu beziehen, aus welchen Gründen auch immer. Mein Kommentar war entsprechend gemeint.

        Du fragst: Findest du wirklich das die Kommunikation zwischen Mann und Frau (nicht in einer Beziehungen zueinander) davon abhängt, in welcher “Welt” man unterwegs ist?

        Ja, das glaube ich.

        Und du sagst: Ich habe schon das Gefühl, dass in unserem Kulturkreis die Kommunikation zwischen Mann und Frau nicht auf einem identischen Level stattfindet.

        Womöglich hast du recht, wenn man von der Kommunikation zwischen Mann und Frau so spricht wie „vom Deutschen“, „vom Arbeiter“, „von Engländern“, also verallgemeinert.

        Gott sei Dank ist „die Frau“ nicht gleich jede Frau und „der Mann“ nicht gleich jeder Mann. Und so denke ich, kommt es in der Praxis immer drauf an. Auch darauf, was ich denke, wie ich lebe und wen ich dementsprechend anziehe.

        Bei dem, was du beschreibst, sehe ich am ehesten die Schlips- und Kostümträger in unserer Gesellschaft. Das ist – aus meiner Sicht zum Glück – nur ein Teil der menschlichen Gesellschaft. Mag sein, dass es auch zwischen dem Handwerker und der Verkäuferin so laufen kann.

        Aber Gott sei Dank habe ich die Erfahrung machen dürfen, in Beziehungen und Freundschaften, mit Mann und Frau, dass jeder eins zu eins sagen konnte, was er denkt, was er möchte und wie ihm ist und es kam gut. Und dort wo das nicht möglich war, bin ich nicht für immer verblieben, weil es einfach nicht meins ist.

        Lieben Gruß
        Marion

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      • Liebe Marion,
        ich wollte hier gerne noch antworten. Als ich deine Worte gelesen habe, war ich wirklich extrem überrascht über deine Formulierungen. Ich habe dich als einen Menschen kennengelernt, der mich zurecht, immer wieder auf meine Verallgemeinerungen aufmerksam macht. Ich finde das sehr gut.

        Das du hier nun eine Unterscheidung zwischen einem Bauarbeiter und einem Schlipsträger machst wundert mich sehr. Beziehst du den Satz: “ Das ist – aus meiner Sicht zum Glück – nur ein Teil der menschlichen Gesellschaft.“ auf die Schlipsträger?

        Von meinem reinen Empfinden, hast du keine gute Meinung von den „Schlipsträgern“ und wirfst sie alle in einen Topf. Habe ich das richtig rausgelesen? Auch die Aussage das es in der „Bauarbeiterwelt“ in den zwischenmenschlichen Beziehungen anders läuft als in der „Schlipsträgerwelt“ erstaunt mich. Daher hatte ich nochmals nachgefragt.

        Ich für meinen Teil lebe in nur einer einzigen Welt. In der, in der ich lebe. Und wenn ich deine Trennung hier einbeziehe, dann zu gleichen Teilen in beiden. Und in diesen beiden Welten, kenne ich genauso viele gute Menschen und genauso viele schlechte Menschen. Und soll ich dir mal etwas verraten? Es hält sich absolut die Waage.

        Wenn du in deinem Leben nur Menschen um dich hast, die in beide Richtungen gradlinig und offenen kommunizieren können, dann hast du wirklich großes Glück. Meiner Meinung nach ist so etwas eine Kunst, die sehr viel Empathie erfordert und erst in längeren Beziehungen auf einer Vertrauensebene wachsen kann.

        Gruß Julusch

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      • PS: Du hast „Die Welt ist noch nicht bereit für…“ als Floskel gebraucht, dennoch ist es eine Verallgemeinerung und in deinem Beitrag sprichst du so, als wäre es auf der ganzen Welt so mit der Kommunikation, wie du es erlebt hast. Genau das glaube ich eben nicht. Wobei ich mich heute nicht mehr in gesellschaftliche Bereiche begeben würde, jedenfalls nicht für länger, wo es so ist.

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      • Liebe Julusch,

        danke, dass du darauf zurück kommst und mich nun auf meine Verallgemeinerung aufmerksam machst, nämlich bestimmte Berufsgruppen oder gesellschaftliche Schichten miteinander in einen Topf zu werfen.

        Zu deiner Frage: Beziehst du den Satz: ” Das ist – aus meiner Sicht zum Glück – nur ein Teil der menschlichen Gesellschaft.” auf die Schlipsträger? Ich bezog ihn auf Schlips- und Kostümträger(innen) und erst durch deine Worte ist mir bewusst geworden, dass ich hier ein Vorurteil zum Besten gegeben habe, das ursprünglich nicht von mir stammt. Ich hab es übernommen und ich weiß genau woher. Das muss ich so überhaupt nicht aufrecht erhalten und entspricht mir nicht. Es gab einen bestimmten Grund, warum es mir opportun schien (passierte unbewusst), es zu übernehmen. Daher nochmal: Danke, dass du mich darauf aufmerksam machst. Es wäre mir sonst nicht aufgefallen.

        Und so muss ich dir völlig Recht geben: … in diesen beiden Welten, kenne ich genauso viele gute Menschen und genauso viele schlechte Menschen. Und soll ich dir mal etwas verraten? Es hält sich absolut die Waage. Ja! Natürlich. Sofern man gute und schlechte Menschen unterscheiden möchte. Manchmal ist man (in dem Fall ich) ein bisschen blind, bis einen jemand drauf stößt.

        Du sagst: Wenn du in deinem Leben nur Menschen um dich hast, die in beide Richtungen gradlinig und offenen kommunizieren können, dann hast du wirklich großes Glück. Meiner Meinung nach ist so etwas eine Kunst, die sehr viel Empathie erfordert und erst in längeren Beziehungen auf einer Vertrauensebene wachsen kann. Ich kann nicht sagen, dass ich nur solche Menschen um mich hatte. Aber ich kann sagen, dass ich es dort nicht aushielt, wo mit versteckten Karten gespielt wird. Und dass ich in den letzten Jahren immer stärker jene Menschen mied, die nicht direkt kommunizieren, so dass die übrig bleiben, die es zumindest aushalten, dass ich es tue. Natürlich mit Empathie und Feingefühl, aber manchmal braucht es auch ein klares offenes Wort. Empathie ist übrigens etwas, das ich von meinem Gegenüber unbedingt brauche, um ihn / sie in meinem direkten Umfeld auszuhalten.

        Gruß
        Marion

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      • Liebe Marion,
        ich danke dir für deine offenen Worte und stürze mich wieder auf das Stöckchen. Das liegt schon seit deiner Veröffentlichung in meinen Entwürfen herum. Das so wenige Fragen, so schwer zu beantworten sind … komisch, oder!?
        Lieben Gruß
        Julusch

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  2. Hat dies auf Offen Ehrlich Frei Heraus rebloggt und kommentierte:
    *Seufz* Mein Blogname scheint dazu einzuladen, ihn ins Extreme zu interpretieren.
    DISCLAIMER: Ich habe nie behauptet, man könne oder solle hinaus in die Welt gehen, Leute ansprechen und ihnen die eigenen ungeschminkte Meinung oder seine Wünsche ins Gesicht schleudern.
    Eine offene ehrliche Kommunikation muss man lernen. Sie ist das Ziel, aber nicht unbedingt der erste Schritt dorthin. Es ist vielleicht kein soooo schwieriger Weg, aber es gehören zwei Menschen dazu, die erstmal Vertrauen und dann Offenheit miteinander entwickeln müssen.
    Also im Prinzip wie „Weltfrieden“. Im ganzen schwierig, aber im kleinen möglich und erstrebenswert.
    Aber so ist das halt, wenn man einen Titel für seinen Blog wählt, bei dem jeder daran denkt, wann er oder sie mal versucht hat, jemandem Fremden zu sagen: „Sag mal, weißt Du eigentlich, wie sch… ich Dich finde?“ *seufz*

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    • Mein lieber Leander, in meinem Beitrag steht nichts von Beleidigungen oder darüber, jemandem seine Meinung zu sagen. Es geht nur darum, dass Frauen in der Regel über 30 Ecken kommunizieren. Sie beglücken ihr Gegenüber gerne mit „durch die Blume gesagten“ Wahrheiten. Das sind für mich zwei komplett unterschiedliche Themen. Und natürlich hast du mit dem oben geschriebenen vollkommen recht.

      Ich bin ja auch nicht los und habe Menschen beleidigt, sondern nur die Blumen weg gelassen.

      Gruß von der blumigen
      Julusch

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  3. Hmm, also die Welt die du da beschreibst, ist mir irgendwie fremd.. und da denke ich halt wieder an das letzte Thema, was wir ansprachen, ob wir nicht jeder in unserer eigenen Welt leben!?
    Ich kenne es nicht anders und möchte es auch nicht anders haben, als dass man (frau) ehrlich sagt, worum es geht. Für mich ist eigentlich wichtiger, was ich spüre, als das, was ich höre. Den Unterschied dazwischen bemerke ich häufig erst später, nachdem ich mich dann frage, wieso sich das nicht „richtig“ anfühlt….
    Und ich bin eigentlich auch immer gut damit gefahren. Mit der Ehrlichkeit.

    LG Iwan

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