Schlimmer geht’s nicht! Ach, echt? Ein Reisebericht in mehreren Teilen – 1 von 10

Wenn ich so über die letzten Wochen in den USA nachdenke, kommt mir das alles wie ein schlechter Film vor, bei dem ich die tragische und traurige Hauptrolle spiele. Etwas bedenken habe ich schon diesen Bericht zu schreiben. Ich bin zwar kein abergläubischer Mensch, aber man muss sich mit Murphy auch nicht unbedingt anlegen – zumindest, wenn man noch unterwegs ist. Immer wenn ich dachte, das ist nun das traurige Highlight in der Ansammlung an Widerlichkeiten, setze das Leben noch eines drauf. Aber starten wir am Anfang.

Vor geraumer Zeit brach ich auf nach Orlando. Dort fand über den Zeitraum von einer Woche unser weltweites Company Meeting (MGX) statt. Es ist eine wirklich sehr gute Veranstaltung. Vollgestopft mit neuen Informationen, einem guten Überblick über das vergangene Geschäftsjahr und einem strategischen Überblick, über alles was noch kommt. Natürlich kommt der Social- und Geselligkeits-Part ebenfalls nicht zu kurz. Am Ende der Woche steht immer eine große Abschluss Party an, die mit einem Privatkonzert des einen oder anderen Stars versüßt wird. Wir hatten schon so viele gute, und nicht ganz so gute Künstler live on stage. Nickelback, Lady Gaga, Black Eyed Peas, Pitbull, Usher, Bon Jovi, Christina Aguilera und wie sie da alle noch hießen. Dieses Jahr sollten One Republic und Katy Perry auf unserer Bühne stehen. Ich freute mich darauf.

Mein Flug war überraschend unspektakulär. Ich mag keine Langstreckenflüge und so war ich überrascht, dass die Zeit doch relativ schnell verging. Die Einreise in die USA ist immer etwas aufwendiger und erfordert Geduld. Am Ende unterschreibt man (gefühlt) mit seinem Blut, seinen Fingerabdrücken und schlechten Bildern, eine Erklärung, dass man schon immer ein braver Mensch war, derzeit einer ist und auch für immer einer bleiben wird. Ich habe mir schon oft überlegt, wozu man diese Formulare eigentlich ausfüllt. Dort werden so interessante Fragen gestellt wie:

„Planen sie einen terroristischen Anschlag auf die USA?“
„Haben sie todbringende und ansteckende Krankheiten?“
„Sind sie schwer Drogenabhängig oder bringen sie Drogen mit ins Land?“
„Haben sie vielleicht gefährliche Virenstämme im Handgepäck?“

Und so geht es weiter. Würde wirklich irgendjemand sein Kreuz an der falschen Stelle setzen? Brauchen sie diese Aussagen für mögliche spätere Verhandlungen, falls doch jemand tödliche Virenstämme schmuggelt? Anywhere. Kontrollen sind lästig, aber lieber eine zu viel, als eine wichtige zu wenig.

Im Taxi ging es zum Hotel und am Abend traf ich den einen oder anderen Kollegen, mit dem es dann gemeinsam zum spärlichen Abendessen ging. Ich litt und leide gerade immer noch an einer Magenschleimhautentzündung, und so war die Auswahl der zu verzehrenden Lebensmittel etwas begrenzt. Dennoch – soweit war alles gut.

Den folgenden Tag hatte ich noch frei, und so plante ich einen kleinen Einkaufsbummel, in meinem liebsten Shopping-Center in Florida. Am späten Nachmittag wollte ich mich dann, der noch zu erledigenden Aufgaben zuwenden. Immerhin stand der Windows 10 Launch vor der Tür und ich musste noch einiges anstoßen, erledigen oder delegieren.

Am Morgen in der Dusche merkte ich dann, dass ich doch so einiges in der Eile habe liegen lassen. Duschgel, Sonnencreme, After-Sun, Hautcreme etc.. Was man halt so alles braucht. Der nächste Walgreens (eine Drogerie Kette) war ein ziemliches Stück entfernt, und so beschloss ich, erst nach meiner Rückkehr vom Shopping dort einzukehren.

Meine Einkäufe waren praktisch und sehr zielgerichtet und ich war relativ schnell wieder zurück. Glücklich – und zurück. Und dann ging es los, denn von da an, war bei mir wirklich der Wurm drin. Aber so richtig.

Ich machte mich also auf zum Walgreens. Bei sommerlichen Temperaturen schlenderte ich, die noch sommerlicheren Straßen entlang. Herrlich – endlich wirklich warm. Nachdem ich meine Besorgungen erledigt hatte, wollte ich mir meine erste Zigarette in den USA gönnen. Ich stand also, mit zwei Zigaretten und einem Streichholzbriefchen bewaffnet, vor der Tür des Walgreens. Die Streichhölzer in den USA gleichen eher weichem Packpapier mit Schwefelkopf, als unseren guten kleinen Hölzern. Leider zünden sie, durch die enorme Biegsamkeit, auch nicht wirklich gut, und so half ich mit dem Druck meiner Finger etwas nach.

Es zischte endlich und ich hielt das Streichholz an meine Zigarette. Ähm – warum brennt es nicht?

Es dauerte doch gute zwei Sekunden, bis ich registrierte, dass die Fingerkuppe meines rechten Zeigefingers in Flammen stand. Während ich sicher noch eine weitere Sekunde ungläubig auf meinen Finger starrte, setzte der Schmerz ein. Der Schwefelkopf hatte sich letztendlich entzündet, hatte aber keine Anstalten gezeigt, an dem wabbeligen Papier zu bleiben, sondern suchte sich meinen Finger für seinen heißen Tanz aus.

Er brannte sich überraschend schnell in meine Fingerkuppe, die ich zwar sofort gelöscht bekam, aber etwas fummeln musste, bis ich zumindest den größten Teil des Kopfes aus meinem Finger bekam. Und es tat wirklich weh. So eine kleine Fingerkuppe, aber so ein heftiger Schmerz. Und es stank – bäh. Ich lief mit wehenden Haaren zurück in das Hotel. „Ich brauche kaltes Wasser, kaltes Wasser, kaltes Wasser.“, war alles, was ich noch denken konnte.

Richtig kaltes Wasser gab es, zumindest aus der Leitung, nicht, aber immerhin fiel mir der Eiswürfel Automat auf dem Flur ein. Noch besser! Ich kühlte und kühlte und achtete immer darauf, mir zu der Verbrennung, nicht noch eine Erfrierung zu holen. So eine Fufu, ausgerechnet der rechte Zeigefinger. *Sarkasmus an* Den braucht man schließlich auch für rein gar nichts. *Sarkasmus aus*

Nachdem ich sicher zwei bis drei Stunden gekühlt hatte, musste ich mich langsam an meine Aufgaben machen. Ich wollte alles erledigt haben, damit ich mich in der kommenden Woche ganz auf das MGX und meinen anschließenden Urlaub konzentrieren kann. Ich bastelte mir einen „Eishalter“ aus zwei Haargummis, einer Tüte und einem Handtuch und war bereit.

Rechner raus und los geht’s.

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