Schlimmer geht’s nicht! Ach, echt? Ein Reisebericht in mehreren Teilen – 6 von 10

Bevor ich mit meinem Bericht fortfahre, folgt hier vorab noch eine kleine Information.

Ich hatte ziemlich genau vor einem Jahr einen Autounfall. Ich war im Kreis Marburg auf einer Bundesstraße unterwegs, als ich wegen einem Motorradfahrer sehr stark abbremsen musste, weil er auf der Fahrbahn hielt. Es war eine knappe Kiste, aber ich schaffte es, wenige Zentimeter vor seinem Hinterrad zum stehen zu kommen. Wenige Sekunden später fuhren mir zwei Motorräder hinten ins Auto. Der erste Fahrer landete auf meiner Motorhaube, der zweite Fahrer war unter den beiden Motorrädern begraben. Die Folgen waren verheerend.

Seit dem kann ich an schlechten Tagen, die einfachsten Dinge im Auto nicht mehr tun. So etwas wie eine Fahrspur zu wechseln, ist dann ein enormer Kraftakt. Laute Motorengeräusche, Bremsen, Anhalten und vor allem Motorräder versetzen mich leider noch öfters in einen unangenehmen Angstzustand. Als Beifahrer bin ich auch nicht gerade sehr angenehm.

Wie auch immer. Die vorletzte Kreuzung in Florida City. Die Ampel wurde gelb und mein Mann bremste stark ab. Wenige Sekunden später krachte ein anderes Fahrzeug von hinten in uns rein. Ka-bumm!

BearGenau das Szenario, vor dem ich seit dem Unfall immer Angst hatte. Wir stiegen aus und der andere Fahrer bestand darauf, dass wir NICHT die Polizei rufen. Is‘ klar …! Ich zückte mein Handy, und ob ihr es glaubt oder nicht, genau in der Sekunde ging mein Handy von Startbild, über schwarz, auf AUS. Nee, oder!? Mein Akku war leer. Ich konnte kaum glauben. In etwa 100 Meter Entfernung, sah ich eine Tankstelle ,und machte mich auf dem Weg dahin, um von dort zu telefonieren. Der Tankwart war wirklich extrem hilfsbereit und freundlich. Während wir den Unfallhergang am Telefon der Polizei schilderten, stand jedoch plötzlich mein Mann vor mir.

„Was machst du den hier? Und wo ist die Kleine?“
„Sie sitzt vor der Tür im Wagen.“
„Warum? Warum bist du nicht an der Unfallstelle geblieben?“
„Also du zur Tankstelle gelaufen bist, sprang der anderer in seinen Wagen und raste davon.“
„Nicht auch das noch. Hast du dir das Nummernschild gemerkt?“
„Nein, es ging zu schnell.“

Was soll ich dazu noch sagen? Das Leben ist kein Ponyhof. Ich bedankte mich bei dem Tankwart, ging vor die Tür, setzte mich auf die Bordkante und begann zu weinen.

Eine Stunde mussten wir warten, bis der Wagen eines State Troopers auf die Tankstelle rollte. State Trooper, C. R. Grieogo, von der Florida Highway Patrol, war eine Frau. Ein wirklich aufmerksame und nette Frau, mit einer unglaublich großen Waffe, und einem noch cooleren Auto. Sie nahm unseren Bericht auf, erklärte uns, dass Fahrerflucht hier sehr oft vorkommt und nahm sich viel Zeit. Am Ende ging sie an ihren Kofferraum und zauberte unseren neuen Begleiter hervor. Bär. Bär wird an verletzte Kindern als kleine Aufmunterung, meistens nach einem Unfall, übergeben. Eine schöne Idee und Geste, die auch meinen Zwerg gefreut hat.

Irgendwann nach 1:00 Uhr waren wir endlich im Hotel. Wenigstens war der Wagen nicht so stark beschädigt, dass er nicht mehr fahren konnte. Wir hatten leichte Nacken- und Rückenschmerzen, aber sonst ging es uns gut.

Den folgenden Tag verbrachten wir einfach mit NICHTS TUN. Nichts tun, und keiner weiteren Katastrophe.

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