Schlimmer geht’s nicht! Ach, echt? Ein Reisebericht in mehreren Teilen – 9 von 10

Die letzte und längste Station unserer Reise war gut durchdacht und geplant. Ich wollte zum Abschluss einfach nur am Strand herumliegen, kühle Getränke in der Nähe haben, Abendprogramm ohne Umstände, möglichst kein Auto fahren und einfach mal komplett herunterkommen. Ich wolle einfach NICHTS tun. Meine mitgebrachten Bücher und Hörbücher hätten für viele Monate gereicht. Alles gut. Und ich freute mich, nach den ganzen Torturen, umso mehr darauf.

Es war spät als wir ankamen, und der Empfang war nicht mehr besetzt. Dafür hing ein Umschlag mit unserem Namen am Eingang. Daran befand sich der Zimmerschlüssel und eine Wegbeschreibung zum Zimmer. Alles gut.

Wir luden die ersten Taschen aus und machten uns auf den Weg. Ich betrat das Zimmer und ließ es auf mich wirken. Das, und alles zu fotografieren, mache ich immer, bevor mein Koffer im Raum regelrecht explodiert. Von Sekunde zu Sekunde fühlte ich mich unwohler. Ich ging ins Bad und schaute mich um. Ich ging zur Küchenecke und schaute mich um, und öffnete dort die Schränke. Ich legte mich aufs Bett. In der Zwischenzeit holte mein Mann unsere Koffer. Ich empfing in direkt mit den Worten:

„Ich kann hier nicht bleiben.“

In wie vielen Hotels habe ich schon übernachtet? 100? 200? 300? Ich kann es noch nicht einmal schätzen, aber es sind sehr, sehr viele. Aber so etwas habe ich wirklich noch nie gesehen. Die Möbel waren alt, aber das ist nicht wichtig. In der Karibik habe ich schon schlechtere Möbel gehabt. Das Bett war sogar einigermaßen gemütlich, aber ich habe noch nie – NOCH NIE – ein Hotel- oder Motelzimmer betreten, dass dermaßen dreckig war. Ich meine nicht nur den Staub, den es reichlich gab, ich meine jede einzelne Ecke in den Räumen. Zwischen den Staubweben lagen überall Haare. Helle kurze und schwarze lange Haare, und ja, sogar im Abfluss, im Bad und in der Dusche.

Der Küchenboden war voll von Krümeln und Essensresten. Das Bett war zwar gemacht, aber nicht frisch bezogen. Es sei denn, das zumindest die schwarzen Haare sich teleportieren können. So etwas kann man doch nicht machen! Ich war sprachlos. Einzig die Handtücher waren wirklich frisch gewaschen.

Es stand außer Frage, wir konnten in dieser Nacht nicht mehr weiter. Wir beschlossen morgen früh gleich mit den Eigentümern oder Pächtern oder was weiß ich zu sprechen. Ihr könnt es euch gar nicht vorstellen, wie schwer es mir gefallen ist, mir über diesem Waschbecken die Zähne zu putzen. Wenn mich jemand gezwungen hätte dort zu duschen, dann hätte ich vor Ekel einen Ganzkörperherpes bekommen. Aber es half nichts, wir mussten zumindest eine Nacht in diesen Betten schlafen.

Am nächsten Morgen hat man uns ein anderes Zimmer angeboten, was ich nach der Besichtigung dankend ablehnte. Genauso fassungslos wie am Vortag. Soviel zu meinen ruhigen Stunden am Strand. Ich möchte aber noch erwähnen, dass die Eigentümerin sie entschuldigt hat und sehr freundlich war. Immerhin. Das war eine Premiere in meinem Leben, denn ich hatte bis dahin, noch nie ein Hotel verlassen. Egal wie schäbig es war, ich konnte mich immer arrangieren.

Wir suchten uns einen Diner mit WLAN, und durchforsteten alle möglichen Buchungsportale, nach bezahlbaren Zimmern. Hatte ich schon erwähnt, dass Hochsaison war? Mangels eines Telefons, fuhren wir sechs Häuser an, die dann aber doch kein Zimmer mehr hatten, das Zimmer zu klein war (mit Zustellbett konnte man nur noch klettern) oder der Preis vor Ort explodierte.

Es wurde Abend, und saß ich total zermürbt im Auto. Ich haderte mit der ganzen blöden Welt. Gut, dann halt eben nicht. Ich hatte wirklich KEINEN BOCK mehr. Ich ließ meinem Mann die Wahl, ob er mich jetzt ins Sheraton, ins Hilton oder ins Marriott fährt. Dann muss ich halt noch ein bisschen länger sparen, um das Loch auszugleichen. Na und?!

Ich brauchte endlich etwas Ruhe. Ich war mental mit meiner Kraft einfach am Ende.

4 Gedanken zu “Schlimmer geht’s nicht! Ach, echt? Ein Reisebericht in mehreren Teilen – 9 von 10

  1. Genau… und dann?

    Lächle, es könnte schlimmer kommen.
    Ich lächelte.
    Und es kam schlimmer!

    Deine Geschichte erinnert mich ein bisschen an unser Undichtes Dach im „Hotelzimmer“ in Venedig😎

    Und sie lehrt dass es schon eine feine Sache ist wenn man sein Hotel (Womo) dabei hat😎😎

    LG Petra, die auf Fortsetzung wartet😊

    Gefällt 1 Person

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