Schlimmer geht’s nicht! Ach, echt? Ein Reisebericht in mehreren Teilen – 10 von 10

Die Sheraton Suites sind es am Ende geworden. Schön ist anders, aber es war sauber und ordentlich, und es stank nur ein wenig, was den Schildkröten in der Lobby geschuldet war. Mehr brauchte ich für den Moment nicht. Kein Strand, keine erholsamen Tage am Pool, aber ich hatte ein Fitnesscenter und so viele kalte, klimatisierte Räume wie ich wollte. *Sarkasmus an* Toll, was? Wo ich doch die Kälte so sehr liebe. Kalt ist nämlich der kleine Bruder von morgens. Und morgens ist meine liebste Tageszeit. *Sarkasmus aus* Ich hatte in diesem Urlaub schon schlimmeres erlebt.

Das Haus war im Grunde genommen ganz okay. Das Preis-/Leistungsverhältnis passte auch, nur der fehlende Außenbereich beschmutzte die Erholung etwas. Gerne hätte ich mich Abends mit meinem Mann, bei einem Glas Wein, nach draußen gesetzt und den Sternen zugesehen. Leider war das nicht möglich. Also nur im kalten sitzen oder draußen auf dem Bordstein, dann ohne Wein, den sonst hätten sie uns verhaftet. Das Hotel lag auch zu weit draußen, um etwas zu Fuß zu erreichen. Schon klar, es gibt schlimmeres im Leben, aber der Aufenthalt bekam nach den ganzen Katastrophen einen bitteren Beigeschmack. Schade. Es war einfach nicht das, was ich mir gewünscht hätte, und worauf ich mich gefreut habe. Hätte, hätte Fahrradkette.

Aber eine Frage in die Runde muss ich stellen. Glaubt hier wirklich einer, dass das Sheraton alles wieder ins Lot gebracht hat?

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Armer kleiner Wurm

Selbstverständlich wurde ich postwendend wieder auf meinen alten Weg gebracht. Aber wie? Mal überlegen …. ach ja, genau, das Auto. Damit die erste Tür sich nicht so hässlich fühlt, hat uns auf dem Parkplatz vom Hotel, jemand die zweite Tür ebenfalls eingedrückt. Ausgleichende Gerechtigkeit für unsere Autotüren. Danke. So können wir nun ein Auto mit einem demolierten Heck, und gleich zwei demolierten Türen abgeben. *Sarkasmus an* Juhu! *Sarkasmus aus* Das traurige war, dass es mich noch nicht einmal mehr aufgeregt hat. Aber etwas anderes regte mich immens auf.

*Sarkasmus an* Ich musste auf dem Weg zum Essen und/oder zum Strand an einem ganz tollen Laden vorbei, mit einer ganz tollen Deko im Schaufenster. Hundewelpen. Kann man noch besser auf sich aufmerksam machen?! *Sarkasmus aus* Die Tiere sitzen den ganzen Tag in 50×50 cm Glaskästen, mit nichts als einer Trinkflasche, wie wir sie aus Nagetierkäfigen kennen, und einem Deckchen. Vorne knallt die unbarmherzige Sonne und hinten die Klimaanlage. Muss voll kuschelig sein da drin. Auf deren Internetseite, machen sie damit sogar noch Werbung. Man kann sich dort informieren, welches Tier gerade zu einem sozialen und mentalen Krüppel gemacht wird, ohne Anschluss an Menschen oder Artgenossen. Noch jetzt muss ich mich bei dem Gedanken fast übergeben. Der Kleine auf dem Bild rührte sich nur noch, um seinen Kot zu essen.

Während mein Mann die Hunde bedauerte und weiter ging mit den Worten: „Ja, das ist schlimm, aber da kann man nichts machen, reg‘ dich bitte nicht auf.“ Überlegte ich, ob ich gestört war als ich ihn heiratete. Ich kann Menschen die so sind nicht leiden – und das ist extrem freundlich ausgedrückt. Die Erklärung für „die so sind“, hebe ich mir für einen eigenen Beitrag auf.

Somit beschäftigte ich mich bei vielen gemeinsamen Mittag- oder Abendessen, mit dem Thema Hundewelpen. Es hat mich emotional sehr mitgenommen, die kleinen Wesen dort zu sehen. Meine Überlegungen konnte ich mit meiner Familie nicht teilen, denn ich habe ernsthaft in Erwägung gezogen, gegen das Gesetz zu verstoßen. Wobei ich zwei möglichen Szenarien im Kopf durchspielte. Am Ende war ich feige und habe Szenario Nummer drei gewählt. Denn irgendetwas sagte mir, dass mein Glück irgendwie im Urlaub ist. Ich informierte PETA und habe im Internet auf sie aufmerksam gemacht. Befriedigt hat mich das nicht, und mein Gewissen erst recht nicht. Hätte, hätte Fahrradkette.

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Liebesbrief der Hotelleitung

*Sarkasmus an* Eine winzige, kleine, freundlich Aufmerksamkeit wurde mir auch noch zuteil. Wisst ihr was voll lustig ist? Wenn man nicht die besten Tage hinter sich hat, und endlich irgendwo ankommt, dankbar ist, endlich wieder eine vernünftige Bettdecke zu haben und etwas Ruhe zu bekommen, und man dann Post erhält. In der steht dann, dass das Broward County Water System leider gerade verseucht ist, und Wasser ausfällt wegen IST NICHT. *Sarkasmus aus* Ich ging den Brief zweimal durch, informierte mein Kind und reichte ihn an meinen Mann weiter, mit den Worten: „Wäre ja sonst langweilig, was?“ Entspannt und sorglos Zähne putzen, Duschen, den Pool nutzen oder gar Eiswürfel, werden vollkommen überbewertet. Muss ich wirklich noch erwähnen, dass der Notfall bis zu unserer Abreise nicht aufgehoben wurde?

Mir bleibt nur noch eine letzte Begebenheit, bevor ich ganz am Ende ankomme. Ich werde aus ihr jedoch einen Epilog machen, denn sie ist wirklich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen – mein krönender Abschluss. Sie ist die Belohnung für alles, was ich erleben und durchleben musste. Das verdient wirklich einen eigenen Beitrag.

Fast geschafft. Und? Was sagt ihr zu meinem Reisebericht? Wenn ich so zurück denke, dann kommt mir alles wie ein schlecht inszenierter Film vor. Ich habe einige kleine Garstigkeiten weggelassen, wie zum Beispiel, dass ich mir mit einem Glas Rotwein meinen neuen Blazer ruiniert habe, oder mich beim Rasieren so stark geschnitten habe, dass es heute noch teilweise Probleme macht. Aber das wurde alles in Summe so belanglos, dass es noch nicht mal mich tangiert hat.

Dann war ich ENDLICH wieder zuhause. Ich hatte noch den Samstagabend und den Sonntag, um mich auszuruhen, bevor ich wieder arbeiten gehe. Eineinhalb Tage nach vier Wochen Urlaub – der keiner war. Das nenne ich mal überschaubar. Wisst ihr was ich gemacht habe in den eineinhalb Tagen? Ich habe die ganze Wäsche gewaschen. Nicht mehr und nicht weniger. Und am Montag fing mein Leben wieder von vorne an.

2 Gedanken zu “Schlimmer geht’s nicht! Ach, echt? Ein Reisebericht in mehreren Teilen – 10 von 10

  1. Nun … nach 10 Teilen muss ich sagen: Ich bin beeindruckt. Soviel Attraktivität für kleine und große Katastrophen! Es muss was sehr besonderes an dir sein.
    Nun mit Microsoft, dem „Akte-X“-System der Computerwelt, und den USA, dem Land der unbegrenzten Seltsamkeiten, forderst Du es ja auch irgendwie heraus.
    Ich empfehle für nächstes Jahr: Android und den Harz.

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