Freund oder Feind: Maskenball

Ich musste in den letzten Wochen viel über die Menschen in meinem Umfeld nachdenken. Über die vielen unterschiedlichen Gesichter die sehr viele Menschen um mich herum tragen. Man lernt jemand kennen und über die Zeit glaubt man zu wissen wie dieser tickt. Doch wenn nur wenige Parameter im Umgang miteinander geändert werden, dann verändert sich alles. Und dann sieht man sich einem Menschen gegenüber stehen, der nur noch wenig an den Menschen erinnert, den man zu kennen glaubte.

Egal wie viele Jahre einen verbinden und wie eng man zueinander steht, irgendwann sieht man sie alle – alle anderen Gesichter. Es bleibt einem nur noch aufs neue zu entscheiden, ob man auch mit der anderen Seite dieses Menschen auskommen kann. Derzeit bin ich nicht in der Lage rational zu entscheiden, was oder besser wer mir gut tut und wer nicht. Aber auch alle anderen müssen für sich schauen, ob sie die Veränderungen annehmen können.

Wenn man emotional etwas durch den Wind ist, so geht es zumindest mir, schmerzen Worte und auch Taten deutlich mehr. Soll ich Euch eine kleine Geschichte erzählen?

Ich kenne jemand, der jemand kennt, der mit dem Kellner aus der Kneipe über sieben Ecken verwandt ist. Nennen wir diesen jemand einfach ICH.

Diese ICH ist eigentlich ein recht einfacher Mensch. Dennoch bezeichnen sie viele als kompliziert und schwierig. Ich gebe zu das diese ICH schon so ihre Eigenarten hat. Aber schwierig? Nein, ich würde sie eher als gradlinig bezeichnen oder einfach nur Stur. Aber dafür kann sie nichts, das hat sie von ihrem Papa geerbt – und sie ist stolz darauf. Sie folgt einer einfachen Logik. Entweder mag sie jemanden oder eben nicht. Entweder lässt sie sich auf eine Person ein oder eben nicht. Warum ich das erwähne? Die Auflösung folgt.

Es begab sich das ICH mit einer Freundin einen Ausflug machte. Wer das war? Findet es selbst heraus, denn diese Freundin ist ein fester und wiederkehrende Bestandteil meines Blogs. Ähm, ich meine „ich“ nicht „ICH“. Ihr wisst schon.

Von Beginn an hatte ICH nicht die beste Laune. Sie war gereizt, traurig, verbittert, enttäuscht, immer mit den Tränen kämpfend und noch so einiges mehr. Aber sie versuchte sich so gut es eben ging zusammenzureißen. Wenn man einen ungefilterten Blick in sie hinein werfen könnte, dann hätte sie für die äußere Fassade einen Oscar verdient. Glaubt mir.

Bei einer Person die gleich gegen mehrere seelische Monster ankämpft, kommt es durchaus vor, dass jegliche Diplomatie flöten geht. Kann vorkommen. Und es war in diesem Fall auch so, daher war es sicher eine Herausforderung gleich mehrere Tage auf engstem Raum mit ICH zu verbringen. Aber wir alle haben viele Gesichter (ich habe gelernt nicht zu verallgemeinern. Und es hat anscheinend gefruchtet, denn das Wort „alle“ müsste ich gegen „viele“ oder „einige“ tauschen. Ich danke dir dafür, Marion.)

Hatte ihre Freundin ICH zuvor so gesehen? Noch nicht mal annähernd so. War es schwierig mit ihr? Sicher. Aber waren die daraus folgenden Situationen gerechtfertigt? Ich kenne ICH zu gut, um mir eine objektive Meinung bilden zu können. Keine Ahnung. Verwundete Tiere sind nun mal unberechenbar. Und ICH war verwundet – mehr als das. Das entschuldigt nichts – aber auch nicht was daraus folgte.

Die Freundin von ICH reagierte zunehmend genervter auf das Verhalten von ICH, und so kam es an einem Abend zur ersten Eskalation. Irgendwann folgte die Zweite und auch eine Dritte. Und dann trat das große Schweigen ein. ICH hätte die verletzenden Punkte nicht offen ansprechen können, denn nur winzig kleine Wörter würden alle Dämme gleichzeitig in ICH brechen – ALLE. Es war zur früh – noch nicht. Noch lange nichts.

Und so folgte für ICH die perfiderster Form der Bestrafung – Schweigen. Jeder der ICH kennt, oder glaubt ICH zu kennen, oder einfach (m)einen Blog liest, der weiß das es kaum etwas schlimmeres für sie gibt. Aber so war es. Man lief kilometerlang nebeneinander her, ohne ein Wort zu wechseln. Natürlich schwieg auch ICH. Sie musste mit ihren Tränen behutsam umgehen.

Noch mehr Scherben.

Aber sie versteht was geschah – trotz aller Enttäuschung. Und sie versteht auch die Reaktionen darauf. Es ist nur menschlich. Aber auch ICH war nur ein Mensch dessen Leben auf ganzer Linie auf den Abgrund zusteuert.

Darf man in einer Freundschaft nicht auch mal verletzt und undiplomatisch sein? Zumal der andere weiß wie schlecht es um einen steht. Muss man nachtreten, wenn jemand sowieso schon ganz unten ist? Kann man nicht über seinen Schatten springen und warten bis sich die schlimmsten Wogen glätten würden, und alles wieder seinen gewohnten lauf nimmt? Anscheinend nicht.

Nun denn, dann ist ICH halt eine Frau die anderen ihr Meinung aufzwingt und blind durch das Leben rennt. Eine Frau die alleine steht mit ihren Ansichten. Dann hat ICH eben die falsche Sicht auf die Menschen um sich herum. Dann sieht sie eben Farben wo keine sind. Dann ist ICH eben eine Lügnerin. Und das persönliche Highlight:

Wenn man vom Schmerz so zerfressen wird, dass man in seiner Verzweiflung alles versucht – auch die irrationalen Dinge – nur um nicht akzeptieren zu müssen, dass man den Tod nicht aufhalten kann. Wenn das beutet das man nicht mehr ganz richtig im Kopf ist, dann hatte die Freundin wohl auch damit recht.

Was nimmt ICH jetzt mit aus diesen Tagen? Vieles. Sehr vieles. Die Traurigkeit überwiegt. Gleich gefolgt von der Enttäuschung. Beim erzählen muss sie immer wieder Pause machen und ein Glas Wasser trinken gehen. Keine Tränen. Noch nicht. Der Damm darf nicht brechen.

Das Leben ist kein Ponyhof. Wisst ihr das? Es hält für einen immer wieder neue Überraschungen parat.

Auf diese Überraschung hätte ICH sicher gerne verzichtet. Aber vielleicht musste es einfach so sein – vielleicht ist das der Weg des Flusses. Alles wiederholt sich.

 

 

2 Gedanken zu “Freund oder Feind: Maskenball

  1. Liebe Julusch,
    hab länger nicht bei dir gelesen, aber heute. Und da entdecke ich zufällig deine Erwähnung meinereiner. Nun denn… ;)
    Was mir zu deinem Post einfällt ist: Kann es sein, dass ich oder ICH im Grunde vor dem Spiegel (einem in Form eines Menschen) stand? Und das am aller herausfordernsten ist, manchmal gar kaum auszuhalten!?! Jedenfalls hilft es in solchen Fällen nicht, den anderen zu analysieren oder zu bewerten.
    Liebe Grüße
    Marion

    Gefällt 1 Person

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