Freund oder Feind: Der eine, der des Tanzen überdrüssig wurde – Teil 1

Wie beginnt man eine Geschichte die zwar erzählt werden muss, aber in einem öffentlichen Raum nicht viel zu suchen hat?

Wie schützt man die darin vorkommenden Personen?

Wie beschreibt man eine Vergewaltigung ohne dabei gewesen zu sein?

Und warum überhaupt?

Diese letzte Frage ist die einzige die ich direkt beantworten kann. Man muss diese Geschichte schreiben um aufzurütteln. Wenn nur eine einzige Frau da draußen ihre Umwelt wieder mit mehr Bewusstsein und Vorsicht war nimmt, dann hat diese Geschichte ihren Zweck erfüllt.

Jede/r der jetzt auf prickelnde und grausam Details hofft, den muss ich enttäuschen. Ich werde natürlich versuchen, diese Geschichte auf einem sachlichen Niveau zu belassen. Aber … ich bin halt ich. Und das stellt natürlich ein kleines Problem dar. Sachlich zu bleiben ist nicht ganz meine Stärke. Nicht bei etwas komplexeren Themen. Aber ich arbeite daran.

Diese Geschichte beginnt vor langer Zeit. Nach einem aufregenden Abend zogen drei tapfere Burgfräulein gemeinsam los, um einer beliebten Schenke einen Besuch abzustatten.

Obwohl das Met an diesem Abend nicht in hohen Mengen konsumiert wurde, war dem einen Fräulein von einem auf dem anderen Augenblick nicht sehr wohl zumute. Sie schaffte es gerade noch darum zu bitten, in ihre Kammer gebracht zu werden. Dann brach sie mehr oder weniger auf der Stelle zusammen. Leicht wurde es den anderen Burgfräulein nicht gemacht. Aber durch Hilfe eines Kutschers gelang es am Ende doch noch.

Dieses Unwohlsein hielt zwei Tage lang an, begleitet durch starke Schmerzen und einen komplett schwarzen Raum im Tal der Erinnerung. Mitleid wurde ihr kaum zugesprochen, den man unterstellte ihr zu tief in den Met Becher geschaut zu haben.

Nun stellt Euch vor, dass ein anderes Burgfräulein diese äußerst solide und durchaus angesehene Schenke aufsucht. Und stellt Euch vor, dass diese nach zwei Gläsern Met in ein tiefes und schwarzes Loch gestürzt ist. Stellt ihr Euch die Frage wie das passieren konnte? Ich hatte mir die Frage gestellt. Und es blieb nur eine einzige Antwort übrig: Es ist ein bösartiger Giftmischer am Hofe zugange.

Lange sprach ich mit dem Burgfräulein und hinterfragte, tauschte Gedanke aus und verfolgte mit ihr Ideen, die den Ablauf des geschehenen in eine vernünftige Reihenfolge bringen sollten.

Doch so sehr wir uns auch abmühten, es war nicht möglich auch nur eine einzige Erinnerung abzurufen.

Was war geschehen?

Das Burgfräulein betritt die oben genannte Schenke, unterhält sich mit dem Wirt und bestellt ein Met. Als sie gerade ihr zweites Met geordert hat, betreten sehr wohl bekannte Adelsleute die Herberge. Man kennt sich. Man unterhält sich. Man geht nach draußen um eine Zigarette zu rauchen. Ende der Erinnerung.

Wir springen in dieser Geschichte weiter. Das Burgfräulein friert. Es ist kalt und sie schlägt die Augen auf. Das erste das sie sieht ist ihre blutverschmierte Hand. Sie versucht aufzustehen und taumelt immer wieder. Alles dreht sich und sie stellt fest, dass sie im Burghof liegt. Aber warum? Nach vielen Anstrengungen gelingt es ihr, sich in ihre Kammer zu schleppen. Dort versinkt die Welt wieder im Dunkeln.

Einige Stunden später wird sie erneut wach und stellt fest, dass sie über und über voll mit Blut ist. Hände, Arme, Gesicht, Brust und Bauch. Aber warum nur?

Sie steht auf und sieht das die Wege zur Kammer ebenfalls voller Blut sind. Sie erschrickt. Ein Messerstich? Oh mein Gott. Sie tastet alles ab und findet nichts. Das Bein und die Nase schmerzen aber sonst scheint alles okay. Während sie das Blut aufwischt wir ihr relativ schnell klar, dass sie gestürzt sein muss. Voll auf die Nase. Das würde das viele Blut zumindest erklären.

Sie versucht sich daran zu erinnern wo sie gewesen war und ob sie etwas getrunken haben mag. Ja, sie war doch in der Schenke gewesen. Sie hat zwei Met getrunken. Und dann? Aber wie sie es auch dreht und wendet. Ab dem zweiten Met verlässt sie jegliche Erinnerung an diesen Abend. Wie kann das sein?

Nachdem sie alles Blut aufgewischt hat- und es war wirklich viel Blut – will sie nur noch das Blut von ihrem Körper waschen. Sie zieht sich aus und erschrickt. Ihr beiden Oberschenkel sind voll mit Blutergüssen. Auch ihre Brüste sind mit 1×1 cm großen Blutergüssen gespickt. Durch die starken Schmerzen im Bein und Gesicht hat sie das nicht realisiert.

Ganz langsam aber unaufhörlich zeichnet sich ein Bild vor ihren Augen ab. Tja nun, sie ist wohl doch nicht gestürzt. Erinnerungsfetzen? Fehlanzeige. Verschwommene Bilder? Fehlanzeige. Etwa 30 Minuten nach betreten der Herberge versinkt alles im Dunkeln.

Sie zieht sich wieder an. Erst nachdenken. Nicht nicht alle Spuren beim Duschen zerstören.

Die wichtigste Frage die im Raum steht, ist die Frage nach der Schildwache. Soll sie die Wache informieren? Soll sie laut zeternd um Hilfe ersuchen?

Wache oh Wache! Man hat sich schändlich an mir vergangen.
Aber holde Maid, wie ist das geschehen?
Das kann ich Euch nicht beantworten. Oder doch?

Dem Strauchdieb, der sich nächstens in der Burg herumtreibt, muss Einhalt geboten werden. Sonst werden wohl möglich noch andere Fräulein oder Mägde zu seinen Opfern. Das ist eine Feststellung an der nicht zu rütteln ist. Also entschließt sich das Burgfräulein das einzig richtige zu tun.

Nachdem viele Adlige und auch der Wirt der Herberge befragt wurden, zeichnete sich ein sehr klares Bild ab. Ein Bild das erschreckender ist als die Phantasie es einem vorgegaukelt hat.

Ihr fragt Euch jetzt sicher was schlimmer war als die Handlung selbst? Das kann ich Euch verraten.

Der Wirt, einige Adlige und auch einige aus dem Fußvolk haben durchaus gesehen das etwas nicht stimmt. Der Wirt wunderte sich, das das Burgfräulein trotz der frühen Stunde und nur zwei Gläsern Met nicht mehr gerade laufen konnte. Sie war verwirrt und was noch viel schlimmer war … sie wurde durch einen Ortsfremden gelenkt. Und auch das wurde gesehen.

Aber niemand hat eingegriffen.
Niemand.
Sie wurde ihrem Schicksal überlassen.
Klappe zu, Affe tot.

Wie es weiter ging wird hier nicht erzählt. Sorry an alle Geier.

Das körperliche Resümee dieses Abends: Eine angebrochene Nase. Ein Haarriss in der Kniescheibe. Eine kaputte Sehne. Aufgeschürfte Fingerknöchel und mehr Blutergüsse als man zählen kann.

Für mich persönlich ist das aller schlimmste diese unglaubliche Ignoranz.

Nachdem das Burgfräulein wieder unter Menschen gehen konnte, stellte sie ihre eigenen Fragen. Sie stellte ihre eigenen Thesen auf und ich muss sagen, dass sie in sich schlüssig sind.

Alle Befragten versicherten ihr, dass sie die Situation als komisch empfanden. Das das Burgfräulein nicht sie selbst war. Auf die Frage nach dem „Warum hast du nicht wenigstens gefragt ob alles okay ist?“ kam immer die gleiche Antwort.

„Ich wusste ja nicht wer der Kerl ist und ob du das willst.“

Was sagt man zu so viel Ignoranz? Wenig. In dem Gespräch mit dem Burgfräulein wurde uns eines bewusst. Wenn nur ein einziger aufgestanden wäre und mal gefragt hätte was hier eigentlich los ist, wäre es dann überhaupt so weit gekommen? Wenn der Ortsfremde gemerkt hätte das man ein Auge auf ihn hat, wäre es dann soweit gekommen? Hätte er nicht eher Angst gehabt, dass man schnell die richtigen Rückschlüsse ziehen würde?

„Ja, da war einer … Er sah so und so aus … Hey, und ich kenne sogar seinen Namen.“

Ignoranz regiert die Welt. Und das macht mich soooo wütend. Wäre irgendjemand ein Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er nur ein einziges Wort gesagt hätte? Es hätte keinen Streit bedurft, keine große Szene, kein Aufsehen.

Eine einzige Frage: „Alles okay bei dir?“

Ich persönlich mag diese Schenke sehr gerne. Ich mag auch den Wirt sehr gerne. Doch die Vorfälle häufen sich. Die drei Burgfräuleins zu Beginn meiner Geschichte haben alle ihre eigenen schlechten Erfahrungen in dieser Schenke gemacht.

Kann man das einfach stehen lassen? Wegsehen und das beste für alle nachkommenden Frauen hoffen? Es wie alle anderen hinnehmen?

Wohl eher nicht. Passt auf Euch auf da draußen. Ihr alle. Und das wichtigste: Es ist nicht immer der unbekannte böse Onkel. Manchmal ist es auch jemand der einem nahe steht. Wie in diesem Fall.

… to be continued …

P.S. Tick tack. Tick tack. Tick tack. Tick tack.

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