Nachtrag zum Brief an einen Fremden

Eigentlich ist die Überschrift nicht ganz richtig, aber es ist ein guter Anlass jetzt einen geplanten Beitrag zu verfassen, der meine letzten Monate wiedergibt.

Der letzte Beitrag hat mal wieder Wellen geschlagen. Der ursprüngliche Empfänger des Briefes ist stinke sauer (was ich auch verstehe), weil durchaus zumindest einer verstanden hat über wen ich schreibe.

In diesem Beitrag steckt viel persönliches von mir. Ich bringe mein Inneres nach außen und mache das Tor zu meinem Herzen und zu meiner Seele weit auf. Muss man das sinnlos kommentieren?

Er war der einzige der nach dem Vorfall für mich da war. Er stellte mich wieder auf die Beine, klopfte mir den Staub von den Schultern und rückte mein Krönchen wieder gerade. Ich weiß nicht ob ich überhaupt noch existieren würde, wenn er nicht da gewesen wäre. Und dafür werde ich ihm immer zutiefst dankbar sein.

Als ich den Brief an den Fremden schrieb, und das ist Monate her, habe ich Trottel mal wieder meine Tabletten abgesetzt und steckte tief in einer Depression. Ich war extrem dünnhäutig und den ganzen Tag den Tränen nahe. Tagelang. Ich schob das auf mein gesamtes Umfeld. Als ich merkte das es nur meine Tabletten sind, die mich emotional so abstürzen lassen, und ich sie wieder nahm, war auch schnell wieder alles gut.

Dennoch. Es verletzt mich, wenn ich mich seelisch nackt mache und es dann solche Auswirkungen hat.

Punkt.

Und den nahtlosen Übergang finden wir auch ganz leicht, denn wenn man meinen damaligen Zustand nimmt und ihn um ein vielfaches multipliziert, dann kann man spielend einfach meine letzten Monate wiedergeben. Zu Beginn des Jahres hatte ich eine Aufgabe gefunden die mir richtig Spaß gemacht hat und ich endlich wieder etwas sinnvolles an meinen Abenden machen konnte. Als diese abgeschlossen war, verbrachte ich meine Abende wie bisher. Auf der Couch sitzen und an die Wand starren.

Gott sei Dank kam Pfingsten und ich machte mich auf den Weg in den Schwarzwald. Wie jedes Jahr. Mal runter von der Couch und den Wald nach Plastikdosen umgraben.

Dann bekam ich im Urlaub einen Anruf von einem Freund, es ging ihm wirklich schlecht, sehr schlecht. Und er bat mich zu kommen. Also machte ich mich zwei Stunden später auf den Heimweg. Ich Trottel. Denn Zuhause angekommen wurde mir nur mitgeteilt, dass er keine Zeit für mich habe.

Hä?

Und ab dann war er nicht mehr für mich zu sprechen. Warum weiß ich immer noch nicht. Wäre ich mal nicht Heim gefahren, denn das war eine Nummer zu viel für mich.

In diesem ganzen emotionalen durcheinander habe ich natürlich meine Tabletten wieder vergessen. Und dann stürzte ich ab. Als ich dann noch erfuhr das der einzige Halm an den ich mich klammerte auch weg brechen soll, stürzte ich gänzlich ins bodenlose.

Ich war in einem Zustand, in dem ich mich mein ganzes Leben lang nicht befunden habe. Ich baute ab – überall. Ich war auf dem schlimmsten Selbstzerstörung Trip meines Lebens. Meine Familie schlug nur die Hände über dem Kopf zusammen und sie verstanden die Welt nicht mehr. Auch auf der Arbeit blieb es nicht unbemerkt. Ich führte stundenlange Gespräche und die halfen mir sehr und konnten das schlimmste noch verhindern.

Irgendwann kam ich auf die Idee einen Termin bei meinem Arzt zu machen und mir vielleicht andere Medikamente aufschreiben zu lassen, und merkte erst in dem Moment das ich keine mehr nahm und das seit Wochen.

Also fing ich an sie wieder zu nehmen und bekam noch ein weiteres Präparat dazu. Das gab mir wenigstens so viel Kraft, dass ich es schaffte mich langsam wieder hoch zuarbeiten. Oben angekommen bin ich noch lange nicht.  Deswegen schmerzen die Auswirkungen des vorherigen Beitrages wohl mehr als normal. Weil ich mich erst beim Aufstieg befinde.

Aber ich bin auf einem guten Weg. Deswegen, und weil ich mich selbst irgendwo unterwegs verloren habe, dachte ich mir letzte Woche das ich ganz am Anfang beginnen muss, und fuhr in mein Geburtsland um es mir mal anzusehen.

Diesen Trip wird es noch als einen eigenen Beitrag geben – er war wirklich sehr überraschend.

Ich verstand auch das ich mir eine neue Aufgabe suchen muss, um meine Abende zu füllen. Also machte ich eine kleine virtuelle Galerie auf. Ich würde mich freuen, wenn ihr mal dort vorbeischaut.

WordPress

Facebook

Instagram

Mir fiel es schon immer leicht Worte die mich bewegen in Bildern umzusetzen. So gebe ich den Gedichten von zwei anderen Künstlern ein Gesicht. Im Moment sitze ich schon sehr lange an einem Bild. Zeichnen gehört nicht wirklich zu meinen Stärken und ich muss noch was sehr großes drauf zeichnen. Es ist das einzige was auf dem Bild noch fehlt.

Ich habe nur immer schon eine genaue Vorstellung davon wie ein Bild aussehen muss. Leider. Da bin ich zu pedantisch und so quäle ich mich mit dem Bild herum. Es wird einfach nicht so wie ich es haben will. Grrrr … meine Hand macht einfach nicht was der Kopf sieht. Aber auch das werde ich irgendwann hinbekommen. Dauert halt nur länger als erwartet.

Was will ich eigentlich mit diesem Beitrag aussagen? Ich war in einem Zustand der absoluten Hoffnungslosigkeit und hatte keine Perspektive mehr.

Ihr da draußen, es kann immer wieder besser werden. Auch wenn man nicht mehr daran glauben kann. Also gebt nicht auf, holt Euch Hilfe wenn ihr es nicht alleine schafft. Selbst wenn ihr in der tiefsten Dunkelheit sitzt, kommt irgendwann ein winziger kleiner Lichtpunkt. Rennt auf ihn zu und gebt niemals auf. Egal wie sehr die Beine schmerzen und er sich nicht zu vergrößern scheint.

Es wird besser. Es wird besser werden. Ganz sicher.

Eure Julusch